Reigen (Arthur Schnitzler)

Zwei Darsteller, zehn Rollen, viel Klasse Mit einer überzeugenden Adaption von Schnitzlers „Reigen“ brillierten Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig im Lindauer Stadttheater, David Hare hat den zwischenzeitlich veränderten Beziehungen zwischen Frau und Mann in seinem Stück Rechnung getragen, und so teilt es sich seit 1998 unter dem Namen „The Blue Room“ den immer noch ein wenig anrüchigen Ruf mit seiner … Weiterlesen

Nora (Henrik Ibsen)

Vom Weibchen zur Frau war es der passende Auftakt zu den Frauenkulturtagen: Ibsens „Nora“, die auch 125 Jahre nach ihrer Entstehung so viel unglaubliches Anschauungsmaterial zum Thema „Rollenverständnis in der Ehe“ liefert, dass man es gern für übertrieben halten würde. Es waren auffallend viele junge Menschen, die sich das im Stadttheater anschauen wollten. Ein Stück voll packender Intensität, ein Stück … Weiterlesen

Arsen und Spitzenhäubchen (Joseph Otto Kesselring)

Vergnüglicher, stark besetzter Theaterabend Lag es am Stück, an Bruni Löbel oder an Peter Bamler? Wie auch immer: Mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ war das Stadttheater bereits zum zweitenmal hintereinander ausverkauft – Bestätigung dafür, dass Komödien wie diese genauso zu einer geglückten Auswahl gehören wie das „Problemstück“ zuvor. Mord aus Mitleid: Mit dieser Einstellung haben es die beiden Brewster-Schwestern immerhin auf … Weiterlesen

Die Katze auf dem heißen Blechdach (Tennessee Williams)

Die klangvollen Namen sind keine leeren Versprechungen Mit Harald Dietl, Michael Lesch, gewiss aber auch Verena Wengler fand sich bei einer in Bad Saulgau und Lindau gezeigten Tourneetheater-Produktion eine Prominenz ein, bei der ihre Bekanntheit mit dem schauspielerischen Können übereinstimmen. Wenn dann noch ein moderner Klassiker wie „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ gegeben wird, erfüllt sich auch der Traum … Weiterlesen

Die Panne (Friedrich Dürrenmatt)

Grenze zum Überspannten häufig überschritten Das gewöhnungsbedürftige Inszenierungskonzept des „Theater Greve“ hat die Frage aufgeworfen, wie nah uns Dürrenmatt heute noch ist. Eine befriedigende Antwort darauf ist es uns allerdings schuldig geblieben. Finden wir uns damit ab: Männer über 80 sind nach Greve ganz entschieden sonderbar. Und wenn sich die im früheren Leben auch noch der Juristerei hingaben, lohnt sich … Weiterlesen

Die Leiden des jungen Werther (Goethe) (2004)

Roman wurde zur Theater-Sternstunde Auch wenn Kenner wissen, dass Heribert Sasse selbst das Vorlesen des Telefonbuches zum Erlebnis machen würde, so hat seine Interpretation der „Leiden des jungen Werther“ so sehr gefesselt, dass sich ein weiterer Höhepunkt auf der Lindauer Bühne vermelden lässt. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Goethe-Buch. Wäre im Vorfeld näher auf diese Bühnensituation eingegangen worden, es hätten … Weiterlesen

Brisante Erinnerung (Ben Elton)

Darsteller-Duo in spielerischer Hochform Eine Weile schien es, als würde „Brisante Erinnerung“ ohne rechte Spannung bleiben. Doch dank der angekündigten „schockierenden“ Wendung im zweiten Teil, vor allem aber der beiden Darsteller Jürgen Prochnow und Anna Magdalena Fitzi, die sich in spielerischer Hochform befanden, kam doch noch ein guter Theaterabend zustande.  Der Mann würde hoffentlich wissen, was er tut: schreibt er … Weiterlesen

Der Kaiser vom Alexanderplatz (Horst Pillau)

Qualität in jeder Hinsicht Zeitgeschichte als Volksstück? Die Jugend zumindest schien einer solchen Möglichkeit zu misstrauen – und hat im Falle dieser „Kriegskomödie“ein gut inszeniertes Theaterstück mit hohem Unterhaltungswert vorüberziehen lassen. Diejenigen aber, die gekommen waren, mussten durchaus keine Hauptstadt-Fans sein, um sich in den atmosphärischen Sog jener Berliner Kneipe ziehen zu lassen, die „Der Kaiser vom Alexanderplatz“ führt. „Macht … Weiterlesen

Blick zurück im Zorn (John Osborne)

Kein bisschen Frieden Vor 47 Jahren fand die Uraufführung von John Osbornes „Blick zurück im Zorn“ statt. Gut inszeniert und gespielt macht das Stück auch heute noch einen starken Eindruck auf das Publikum. Im Stadttheater waren es über vierhundert Zuschauer, die sich davon überzeugen konnten. Hin und wieder macht der Zeitgeist künstlerische Produkte zu wahren Klassikern, ohne sich groß um … Weiterlesen

Doppelte Verführung (Pierre Carlet de Marivaux)

Auch Christine Kaufmann kann den antiquierten Eindruck dieser Komödie kaum aufheben  Man darf vermuten, dass diesmal das Theater nicht wegen des Stückes voll war, sondern wegen Christine Kaufmann. Wer allerdings erwartet hatte, dass sie Marivaux’s „Doppelte Verführung“ in strahlendes Licht tauchen würde, wird wohl ernüchtert worden sein: weder die Inszenierung noch die immer noch schön anzusehende Darstellerin konnten den antiquierten … Weiterlesen