Arsen und Spitzenhäubchen (Joseph Otto Kesselring)

Vergnüglicher, stark besetzter Theaterabend

Lag es am Stück, an Bruni Löbel oder an Peter Bamler? Wie auch immer: Mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ war das Stadttheater bereits zum zweitenmal hintereinander ausverkauft – Bestätigung dafür, dass Komödien wie diese genauso zu einer geglückten Auswahl gehören wie das „Problemstück“ zuvor.

Mord aus Mitleid: Mit dieser Einstellung haben es die beiden Brewster-Schwestern immerhin auf zwölf Leichen gebracht, die sich im Keller der beiden den Platz teilen. Die häuslichen Grabstätten erfreuen sich nun regelmäßiger Besuche durch die schrulligen Schwestern – eine Aufmerksamkeit, die den Verblichenen seitens der Polizei allerdings versagt bleibt. Denn die pflegt eine Etage höher freundschaftlichen Umgang mit den sympathischen Mörderinnen. Nur Neffe Mortimer – vital verkörpert von Peter Bamler – trägt schwer an der plötzlichen Entdeckung des letzten Opfers, dem die Tanten ihren tödlichen Gnadendienst erwiesen haben; dabei hat er es schon schwer genug, a) dies alles vor seiner schönen Zukünftigen (Stephanie Brehme) zu verbergen, b) seinen verrückten Bruder Teddy (Uwe Goslich) den Präsidenten der Vereinigten Staaten spielen zu lassen und c) zu umgehen, dass er seinerseits nicht zum 13. Opfer seines anderen Bruders Jonathan (Hardy Hoosman) wird; denn der ist sowohl seiner Tätigkeit nach als auch äußerlich „Frankensteins“ Monster ziemlich ähnlich. Nur hören mag er das gar nicht gern. Nicht einmal dann, als er bei seinem unwillkommenen Besuch gleich ein neues Mordopfer mitbringt, das gut versteckt sein will. Das verkompliziert die Sache zwar, doch bringt sie die Brewster-Schwestern endgültig aus der Schusslinie und Jonathan schließlich zurück ins Gefängnis.

Komödie statt Klamauk

So viel also zur temporeichen Story dieses Komödienklassikers von Joseph Otto Kesselring. Regisseur Karl Absenger hat Abby und Martha Brewster stark auf Regine Lutz und Bruni Löbel zugeschnitten; und letztere war es, die mit ihrem ersten Auftritt „So, da bin ich“ auch den erwarteten Begrüßungsapplaus entgegennehmen durfte; Anerkennung für die nach wie vor erstaunliche Präsenz der über 80-Jährigen, die nur zu Beginn ein wenig leise wirkte, sich aber schließlich immer lustvoller in die dankbare Rolle dieser schrulligen Tante hineinspielte.

Ein Spaß war es auch, Uwe Goslich als verrücktem Bruder Teddy zuzuschauen, der die vielfältigen Aufgaben, die sich als Präsident Roosevelt, Panama-Experte und Höhlenforscher so ergeben, bravourös gemeistert hat und dafür auch mit dem berechtigten Zwischenapplaus belohnt wurde. Ein Meisterstück vollbrachte Maskenbildnerin Annegret Eyrich: „Frankenstein“ Jonathan Brewster, den sie aus dem Ein-Meter-Fünfundneunzig-Mann Hardy Hoosman hervorgezaubert hat, hatte nicht nur optische Klasse, sondern glänzte auch durch Bewegungsabläufe, die ihm einen Ehrenplatz im Gruselkabinett sichern sollten. Zusammen mit seinem Partner Dr. Einstein, den Hans B. Goetzfried unterwürfig und vollendet im Bemühen gab, etwa einen Meter kürzer als sein jähzorniger Meister zu wirken, agierte hier ein Paar, das beträchtlichen Anteil am Unterhaltungswert dieses Stückes hatte.

Den darf insbesondere aber auch Peter Bamler für sich beanspruchen, dem es oblag, das umfangreichste Gefühlsspektrum dieses Stückes abzudecken. War er als bedauernswerter Mortimer doch angehalten, zu nahezu jeder der so unterschiedlichen Rollen ein jeweils anderes Verhalten an den Tag zu legen: etwa als hilfloser Verlobter, der einfach nicht weiß, wie er Ellen gegenübertreten soll; in Stephanie Brehme fand diese Rolle eine selbstbewusste und temperamentvolle Vertreterin ihres Geschlechtes; oder als fassungsloser Neffe, der dem Tun seiner Tanten nichts entgegensetzen kann.

Das komödiantische Talent Bamlers fand hier ein reichhaltiges Betätigungsfeld. Es spricht für seine schauspielerische Verantwortung, wenn er der Verlockung widerstand, einen Klamauk daraus zu machen.