Darsteller-Duo in spielerischer Hochform
Eine Weile schien es, als würde „Brisante Erinnerung“ ohne rechte Spannung bleiben. Doch dank der angekündigten „schockierenden“ Wendung im zweiten Teil, vor allem aber der beiden Darsteller Jürgen Prochnow und Anna Magdalena Fitzi, die sich in spielerischer Hochform befanden, kam doch noch ein guter Theaterabend zustande.
Der Mann würde hoffentlich wissen, was er tut: schreibt er doch tatsächlich ein Stück, das vordergründig von der Friedensbewegung der 80er Jahre und den Betonköpfen beim Militär handelt. Schön verpackt in eine Beziehungskiste, könnte das Vorhaben gelingen, skrupellose Denkstrukturen bei Menschen darzulegen, für die jegliche Lebensplanung nur unter Karriereaspekten erfolgt. Und klar, auch das Amerika des Michael Moore würde noch ein wenig Fett – theatralisch veredelt – abbekommen. Ganz so einfach aber war die Geschichte dann doch nicht.
Der Autor Ben Elton gaukelt uns also zunächst eine Liebesgeschichte vor: 32jähriger GI verliebt sich in 17-jährige Friedensaktivistin, verlässt sie nach der ersten Liebesnacht und taucht sechzehn Jahre später wieder bei ihr auf – mitten in der Nacht und offenbar immer noch durchdrungen von der damaligen Romanze. Jack jedoch, so heißt der Mann, ist mittlerweile kein GI mehr, sondern Vier-Sterne-General. Doch weil den Soldaten seines Ranges die Sowjetunion als Feind abhanden gekommen ist, bringt man es zwischenzeitlich nicht etwa wegen besonderer Tapferkeit zu etwas, sondern weil immer wieder Posten frei werden – von Leuten, die wegen dunkler Punkte in der Vergangenheit ihren Dienst quittieren mussten. Zu den eifrigsten Spürnasen aber, die nach solchen Punkten suchen, gehören nach Meinung von Jack eben Leute wie Polly, seine Ehemalige.
Gleichwohl: die Zuschauer befinden sich längst auf einer anderen Fährte, denken schon mal über einen möglichen Fortgang dieser aufgewärmten Beziehung nach, als sich plötzlich in einer packenden dramatischen Verdichtung eine ganz neue Entwicklung anbahnt. Und es gehört im Nachhinein zu den Stärken dieses Stückes, dass sowohl das „Drehbuch“ als auch die Regie von Folke Braband scheinbar mit Hinweisen geizten, die auf diese Entwicklung hätten hinweisen können – obwohl man am Ende die logische Kette erkennt, die alles plausibel macht.
Für eine textbeladene Story wie diese ist es natürlich ein Glücksfall, wenn sich Schauspieler vom Kaliber eines Jürgen Prochnow ihrer annehmen. Seine Ausfälle gegen Frauen in der Armee, die kalkulierten Gefühlsausbrüche und sein sorgenvolles Gehabe um Polly, die Einsame – in ihrer Überzeugungskraft sind solche schauspielerischen Momente bei ihm in besten Händen. Und Anna Magdalena Fitzi begegnet ihm auf gleicher Augenhöhe, intensiv und impulsiv, wandelbar und in ihren Reaktionen so unvorhersehbar, wie es zu nächtlichen Besuchen dieser Art gehört. Und so bleibt „Brisante Erinnerung“ – anfänglichen Befürchtungen zum Trotz – wohl doch eine gute Theater-Erinnerung.