Nacht der Tribaden (August Strindberg)

Hemmungsloser Geschlechterkampf So läuft das manchmal: nicht ein einziges Stück von August Strindberg, um dessen fragwürdige Haltung zum anderen Geschlecht es in der „Nacht der Tribaden“ geht, hatte je in Schweden einen solchen Erfolg wie dieses Schauspiel von Per Olov Enquist. Die „Neue Schaubühne München“ machte deutlich, weshalb. „Schauspiel aus dem Jahre 1889″ heißt der Untertitel, und damit spielt Enquist … Weiterlesen

Jankelewitsch und sein Leibwächter (Alexander und Lew Schargorodski)

Eindrucksvoller Dialog wider die Einsamkeit In kaum gefährdeter Schwebe – hier das schwere Los des Verlassenseins, dort der nie versiegende jüdische Witz – gestalteten Joachim Bliese und Peter Heinrich einen eindrucksvollen Dialog wider die Einsamkeit. Geteilt wurde er von einem nur mäßig besetzten Theater. Man könnte wehmütig werden, wenn Theaterstücke wie „Jankelewitsch und sein Leibwächter“ zutage fördern, daß der Holocaust … Weiterlesen

Doppelfehler (Barry Creyton)

Schlüpfrig und unterhaltsam in populärer Besetzung Bereits zehn Minuten vor Acht leuchteten die Schilder neben den beiden teuersten Preisgruppen ein unbarmherziges „Ausverkauft“. Es ist zu vermuten, daß es weniger der oft deftigen Komödie „Doppelfehler“ zu danken war, als vielmehr der Popularität von Anita Kupsch und Volker Brandt. Ein Beitrag zum „Internationalen Frauentag“ indes war das Stück gewiß nicht. Irgendwann in … Weiterlesen

Scherz, List und Rache (Goethe)

Packender Goethe-Ausflug Doch, auch solcherlei gibt’s bei Goethe: ein quirliger Spaß, der die etwas verschämte deutsche Antwort auf die italienische Opera Buffa darstellt, um dann ziemlich unbemerkt im alles überragenden Windschatten von Mozarts Singspiel, der „Entführung aus dem Serail“ , dahin zu vegetieren. Gleichwohl: Nikolaus Parylas kurzweilige Inszenierung von „Scherz, List und Rache“ lohnte den Blick zurück auf Goethes Werk. … Weiterlesen

Scherben (Arthur Miller)

Lange Zeit vermisste Gespräche Was muß in dieser Frau wach geblieben sein, die im Angesicht von Hitlers Terror vor Angst buchstäblich gelähmt ist? Was war da passiert, wenn die Liebeserklärung ihres Gatten mit einem erstaunten „Was soll das?“ abgewürgt wird? Altmeister Arthur Miller gab in „Scherben“ vor zahlreichen Zuschauern spannende Auskunft. Ein architektonisch bestehendes, zudem funktionales Bühnenbild, das kürzeste Umbaupausen … Weiterlesen

Hedda Gabler (Henrik Ibsen)

Zwiespältiger Eindruck bei Hedda Gabler Etwas zwiespältige Gefühle hinterließ die Aufführung von Ibsens „Hedda Gabler“, die am Mittwochabend zugleich Saisonhalbzeit und Winterpause im Stadttheater markierte. Anja Kling als Hedda: eine schöne, kalt berechnende Frau, gewiss. Und Michael Meister ein Gatte, der vor Staunen über diese Errungenschaft zum zappeligen Hauskasper degeneriert. Schwer vorstellbar, daß er – immerhin Staatsstipendiat der Kulturgeschichte- eine … Weiterlesen

Duett im Zwielicht (Noel Coward)

Komödiantisches zur Homosexualität Die Frage mag erlaubt sein, ob tatsächlich ein solcher Aufwand an Dialogen nötig ist, um jene Lebenslüge von Sir Hugo Latymer angemessen zu attackieren. Immerhin ist es dank der überzeugenden Darsteller gelungen, zumindest den zweiten Teil der Komödie von Noel Coward zu einem spannenden Unterhaltungsstück zu hieven. Die Komödie „Duett im Zwielicht“ wurde 1964 uraufgeführt. Zu jener … Weiterlesen

Ich, Feuerbach (Tankred Dorst) (1997)

Dorst-Stück eine Sternstunde im Lindauer Stadttheater Eine grandiose Demonstration packender Schauspielkunst vollzog sich am Mittwochabend im Stadttheater. Heribert Sasse zelebrierte Tankred Dorsts „Ich, Feuerbach“ – absoluter Höhepunkt seit langem. Verwirrung zunächst. Fünf, ja: sieben Minuten nach Acht bereits. Arne Lehmann als Regieassistent längst schon in Position an seinem Schreibtisch vor der Bühne. War etwas schief gelaufen? Sichtlich betreten erscheint Hauptdarsteller … Weiterlesen

Ein Monat auf dem Lande (Iwan Turgenjew)

Psychologisches aus Russland Mehr als zweieinhalb Stunden währte Iwan Turgenjews hochpsychologische Komödie „Ein Monat auf dem Lande“. Den „russischen Längen“ stand ein hervorragendes Schauspielerteam zur Seite, das insbesondere den Endspurt des Stückes souverän zu gewinnen wußte. Ganz sanft stimmt das informative Programmheft auf die zu erwartende Weitschweifigkeit ein: nicht einprägsame Namen wie Werther, Lear oder Orest sind es, die hier … Weiterlesen

Vaterliebe (Gert Heidenreich)

Packende Dramatik: Starkes Plädoyer fürs Theater Nur einen Tag nach der ganz und gar überflüssigen Darbietung des Tegernseer Volkstheaters hat das Kriminalstück „Vaterliebe“ eindrucksvoll gezeigt, was Theater auch sein kann. Wie überbringt man diese schrecklichste aller Mitteilungen? Das eigene Kind tot, obendrein durch Selbstmord? Und wie würde die betroffene Mutter reagieren, mit nichts zurückgelassen als einem quälenden Abschiedsbrief und einem … Weiterlesen