Scherz, List und Rache (Goethe)

Packender Goethe-Ausflug

Doch, auch solcherlei gibt’s bei Goethe: ein quirliger Spaß, der die etwas verschämte deutsche Antwort auf die italienische Opera Buffa darstellt, um dann ziemlich unbemerkt im alles überragenden Windschatten von Mozarts Singspiel, der „Entführung aus dem Serail“ , dahin zu vegetieren.

Gleichwohl: Nikolaus Parylas kurzweilige Inszenierung von „Scherz, List und Rache“ lohnte den Blick zurück auf Goethes Werk. Als „Komödie mit Musik, Gesang und Pantomime“ war Goethes Singspiel angekündigt. Den erforderlichen Gesang bedachten die drei Akteure mit achtbaren Leistungen – hier stach insbesondere Stephan Paryla-Raky mit kräftiger, tonsicherer Stimme hervor. Und daß die Pantomime nicht nur zur unverzichtbaren Grundausstattung, sondern offensichtlich auch zum echten Bedürfnis eines Schauspielers gehört, zeigte die leidenschaftliche Hingabe, mit dem dieser Aspekt von allen drei Akteuren abgedeckt wurde: das bravourös gestaltete Finale zur Ouvertüre des „Barbier von Sevilla“ darf dabei als Extra-Schmankerl Nikolaus Paryla’s in dieser Disziplin gelten.

Nachdem heute wohl kein Mensch mehr den damaligen Komponisten Philipp Christoph Kayser, geschweige denn seine Musik kennt, war es ein kluger Einfall, sich hierfür aus Rossinis unerschöpflichem Repertoire zu bedienen. Auch ungeachtet der Tatsache, daß dieser erst zwei Jahre nach Goethes Stück auf dieser Erde erschien, vermochte seine Musik dem Treiben auf der Bühne erst den rechten Drive zu verleihen. Jugendlich, keck und mit großen Gesten wirbelte Evelyn Plank, die Darstellerin der listigen Scapine, über die Bühne, geschickt dem stabilen Mobiliar und der unverhohlenen Anmache des geizigen Doktors ausweichend. Dieser fand in Stephan Paryla-Raky einen würdigen Vertreter im Spiel der Commedia dell’arte, ließ er doch nie einen Zweifel daran aufkommen, daß er die Spezies zu vertreten hatte, die übers Ohr gehauen werden sollte.

Mit Genuss, aber auch intimem Spiel besorgte dies zusammen mit Scapine der überragende Nikolaus Paryla, der kaum ein Register seiner Schauspielkunst brachliegen ließ. Er stapelte ein Element aufs andere, um Goethes unspektakuläre Vorlage als Initialzündung für herzhaftes Theatertreiben, artistische Einlagen, musikalischen Witz und erfrischende Übertreibungen zu verwenden. Mit den in Anspruch genommenen siebzig Minuten Spielzeit hat er zudem ein Gespür für die erforderliche Dauer eines Materials bewiesen.

So war der Ausflug zum unbekannten Goethe dank einer kompetenten Begleitung und der packenden Musik lohnenswerte Abwechslung im laufenden Theaterprogramm