Hedda Gabler (Henrik Ibsen)

Zwiespältiger Eindruck bei Hedda Gabler

Etwas zwiespältige Gefühle hinterließ die Aufführung von Ibsens „Hedda Gabler“, die am Mittwochabend zugleich Saisonhalbzeit und Winterpause im Stadttheater markierte.

Anja Kling als Hedda: eine schöne, kalt berechnende Frau, gewiss. Und Michael Meister ein Gatte, der vor Staunen über diese Errungenschaft zum zappeligen Hauskasper degeneriert. Schwer vorstellbar, daß er – immerhin Staatsstipendiat der Kulturgeschichte- eine Professur in Aussicht hat.

Ihre Ungleichheit schlägt sich überdeutlich im Sprachduktus nieder: hier der nervöse, oft hastige Tesman, der es jedem recht machen möchte und die meisten Sätze mit einem flehenden „Wie?“ beendet, dort die zerstörerische Hedda, der Anja Kling mit einer ziemlich eindimensionalen Haltung und einer schier monotonen Sprechweise beizukommen versucht.

Das mag eine Inszenierungsmöglichkeit sein, die die klare Ibsen’sche Rollenzuteilung noch zusätzlich verdeutlicht – eine Vertiefung freilich erfährt sie dadurch nicht. Und schon gar nicht mag sich spielerisch erschließen, daß da eine junge, gelangweilte Gattin innerhalb von drei Tagen soweit kommt, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen. Das, was in dieser Zeit an Neid, Eifersucht, Zerstörungswut, Machtgefühl, ja: Hysterie an sie heran tritt, sollte größere spielerische Mittel freisetzen als einen etwas stereotypen Blick und eine allzu korrekte Bühnensprache. Ein Teil dieser fragwürdigen Einengung wäre vermutlich Michael Meister gut bekommen, der zwar eine lebendige und farbenreiche Darbietung bot, sich in seinem Spiel aber wohl oft allein gelassen fühlte und so manche Szenen allzu sehr übertrieb.

Aufwendiges Bühnenbild

Sigrid Bode gab der Tante Tesman eine absolut überzeugende Gestalt, während Bettina Schinko – wahrscheinlich unter dem Gewicht der ihr zugemuteten Perücke – allzu ängstlich und labil daherkam: immerhin hat sie den Mut zum Ausbruch aus ihrer unbefriedigenden Lebenssituation gefunden und letztlich schafft sie es sogar, Hedda eifersüchtig zu machen. Jürgen Polzin als Assessor Brack gebärdet sich von Anfang an schmierig genug, um seine wahre Gesinnung am Ende glaubhaft zu machen, während Peter Schmidt-Pavloff dem genialen, aber anfälligen Lövborg große Ausstrahlung und Anziehungskraft verleiht – sein Part wirkt insofern besonders schlüssig. Rudolfine Tüchler schließlich trotzte der kleinen Dienstmädchenrolle ein stets wahrnehmbares Gefühl für souveräne Bühnenauftritte ab. So mag sich auch in Anbetracht eines aufwendigen Bühnenbildes, das den Anforderungen Ibsens entspricht sowie all der wirkungsvollen Kostüme kein richtig rundes Gesamtbild ergeben. Das lag vermutlich daran, dass die Spannung des Schauspiels von Henrik Ibsen über weite Strecken mehr vom Text als seiner Protagonistin ausging. Wobei unklar blieb, ob das an der Regie oder an Anja Kling selber lag.

Man darf also erwartungsvoll auf die Fortsetzung des Theaterprogramms blicken, das am 15. Januar mit Bölls „Ansichten eines Clowns“ in die zweite Runde geht.