Ingeborg (Curt Goetz)

Ein Frosch, ein Bär, ein Leberfleck Vermutlich kann eine leicht verstaubte Komödie wie „Ingeborg“ das pikante Potenzial einer Dreierbeziehung kaum mehr auf die Bühne bringen. So belässt man es denn – wie am Montag geschehen – bei überzogenem Rollenspiel und gelegentlich witzigen Dialogen. Nicht, dass sich Regisseurin Karin Boyd keine Gedanken gemacht hätte: Sie hat sich angesichts der zweifelsohne charmanten, … Weiterlesen

Comedian Harmonists (Gottfried Greiffenhagen)

Fassbare Charaktere geformt Wie ungebrochen das Interesse an Leben und Werk der Comedian Harmonists ist, zeigte das ausverkaufte Stadttheater am vergangenen Freitag. Er wurde zu einem Theater- und Konzertabend der Extraklasse. Es wird wohl den meisten so ergangen sein: Die Neugierde auf die packende Geschichte der Comedian Harmonists würde den befürchteten Verzicht auf den legendären Originalklang ihrer Lieder schon verschmerzen … Weiterlesen

Happy End (Elisabeth Hauptmann)

Raffiniert arrangiert Zumindest für Lindaus Stadttheater war das ein „Happy End“, über das sich die Mehrzahl der Besucher gefreut haben dürfte. Leider lassen sich Schwarz und Weiß im richtigen Leben nicht immer so leicht unterscheiden wie in dieser fetzigen Komödie. In „Happy End“ geht das Verdienst um die Autorenschaft endlich eindeutig an Brechts wichtige Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann. Nur ein Jahr … Weiterlesen

Ghetto (Joshua Sobol)

Nicht nur Unterhaltung Ein starkes Stück. Das mochte wohl auch jene Besucherin gedacht haben, die sich seiner beklemmenden Direktheit offenbar nicht aussetzen wollte und lautstark den Saal verließ. Ein Ausweg, den sich die damaligen Bewohner im „Ghetto“ wohl auch gewünscht hätten. Zahlreich sind die Ehrungen, die Joshua Sobols Schauspiel zuteil wurden, oft missverstanden seine Absicht, die lebenswerten Momente des grausamen … Weiterlesen

Die amerikaniische Päpstin (Esther Vilar)

Päpstin im Zwiespalt – eine Referenz für Maria Becker War das also der erwartete „Höhepunkt“ der laufenden Theatersaison? Eine befriedigende Antwort wird nur dann gelingen können, wenn die Leistungen von Maria Becker und die eigenwillige Auseinandersetzung Esther Vilars mit dem sinnstiftenden Potential des Katholizismus sorgsam auseinander gehalten werden. Wie erfreulich: die Sorge, dass die beim letzten Stück ziemlich unbegründete Anziehungskraft … Weiterlesen

Indiskret (Norman Krasna)

Albernes Stück mit Pierre Price lustlos inszeniert Da hilft auch kein Pierre Brice: Wenn ein so albernes Stück wie „Indiskret“ auch noch lustlos inszeniert wird, wird das ein ziemlich fragwürdiger Theaterabend. Manch ein Zuschauer kam hinterher vernehmbar ins Grübeln. Zweieinhalb Stunden Wehen, und dann doch nur ein Blinddarm – die Erwartungen an eine wenigstens unterhaltsame Komödie mit der leibhaftigen Winnetou-Legende … Weiterlesen

Im Zweifel für den Angeklagten (Irving Stone) (2000)

Dieses Plädoyer gegen die Todesstrafe packt das Publikum Stehend hat das Publikum Christian Kohlund applaudiert: Das Ein-Personen-Stück „Im Zweifel für den Angeklagten“ sorgte für ein voll besetztes Stadttheater und eine spielerische Sternstunde in der laufenden Saison. Viel Zeit hat er sich anfangs genommen. Hat die opulente, wunderbar ausgeleuchtete Bühne durchschritten und erst einmal anschaulich gemacht, wie man sich diesen Clarence … Weiterlesen

Carte Blanche

Schrille Verkleidungsorgie Allzu üppig waren die Hinweise nicht, die von der Travestie-Show „Carte Blanche“ kündeten. Gleichwohl fanden sich etwa vierhundert Zuschauer im Stadttheater Lindau ein. Seit das mit „Mary und Gordy“ nichts mehr ist, tun sich gleichgesinnte Nachahmer schwer, deren Popularität und Anziehungskraft zu erlangen. Es ist wie beim Tennis: Egal, wie gut eventuelle Nachfolger sind, eine Garantie für volle … Weiterlesen

Die Leiden des jungen Werther (Goethe) (1999)

Nichts war’s mit dem wohligen Werther-Schauer, den Goethes Frühwerk auch heute noch auszulösen vermag. Als dramatisierte Fassung erfüllte die Aufführung gleichwohl den Anspruch auf eine zeitgemäße Annäherung. Die laute Penetranz der gewiß GEMA-freien Musik durch ein E-Piano ließ zunächst Schlimmes ahnen. Und an die gelegentliche Einmischung der lebendigen Figuren inmitten eines überdimensionalen Bilderrahmens würde man sich schon gewöhnen können. Neugierde … Weiterlesen

Mein Kampf (George Tabori)

Hitlers Frauenbild und sein nacktes Gretchen Dass auch Liebe und Schöngeistiges kein probates Mittel ergeben, um verbrecherische Ansätze im Keim zu ersticken, zeigte die Farce „Mein Kampf“. Trotz Schnees strömte das Publikum, das sich abwechselnd auf den nackten Wahnsinn des Führers und den nackten Körper von Taboris Gretchen konzentrieren durfte. Was hat sich der schmächtige Schlomo Herzl bemüht, seinen „mütterlichen … Weiterlesen