Comedian Harmonists (Gottfried Greiffenhagen)

Fassbare Charaktere geformt

Wie ungebrochen das Interesse an Leben und Werk der Comedian Harmonists ist, zeigte das ausverkaufte Stadttheater am vergangenen Freitag. Er wurde zu einem Theater- und Konzertabend der Extraklasse.

Es wird wohl den meisten so ergangen sein: Die Neugierde auf die packende Geschichte der Comedian Harmonists würde den befürchteten Verzicht auf den legendären Originalklang ihrer Lieder schon verschmerzen lassen.

Weit gefehlt! Was die fünf Sänger samt Pianist musikalisch und in hohem Maße auch schauspielerisch zu bieten hatten, war schlicht umwerfend.

Doch der Reihe nach. Als vor wenigen Jahren der berühmte Film Furore machte, entstand parallel und unabhängig davon Gottfried Greiffenhagens Bühnenwerk. Hier war es natürlich nicht mehr möglich, auf die Originaleinspielungen der Comedian Harmonists zurückzugreifen. Gefragt waren also ausgebildete Sänger, die imstande waren, die unverwechselbaren Arrangements auch zu singen. Wie damals auch, bestimmte also ein anspruchsvolles Auswahlverfahren, wer für eine optimale Umsetzung der sängerischen und schauspielerischen Anforderungen in Frage kam. Zur Intention seines Vorhabens bemerkt Gottfried Greiffenhagen, daß es ihm lediglich darum gegangen sei, „eine Handlung zu erfinden, die frei, lebendig und offen genug ist, um ein Spielvolumen für die Lieder der Comedian Harmonists zu bilden“

Diese Absicht dürfte dem Autor besser gelungen sein als manchem Stückeschreiber, der hoch gesteckte Publikumserwartungen kläglich enttäuscht. Es würde zu weit führen, jedem einzelnen der Sänger den angemessenen Besprechungs-Tribut zu zollen. Doch bleibt festzuhalten, daß jeder das einmal eingeschlagene Persönlichkeitsprofil in erstaunlicher Konsequenz bis zum Ende durchhielt und zu einem fassbaren Charakter formte.

– Da gab es Humor und Verzweiflung, Ratlosigkeit und Trotz, und beim Auftauchen der Nazischergen war die Beklemmung im Saal zu fassen. Doch ehe der verordnete Rassenwahn auch diese Künstlergemeinschaft auf dem Gewissen hatte, legte sich das selbst auferlegte Motto „wie haben einen gemeinsamen Weg“ über all ihre Aktivitäten, die schließlich zum Welterfolg der Comedian Harmonists führten – und gerade diesen Aspekt hat die Aufführung zu jedem Zeitpunkt wachgehalten. Die Würdigung einer Aufführung über diese Gruppe kann dennoch nicht zu Ende gehen, ohne nochmals zum Eigentlichen zurückzukommen: Wenn jemand das Unverwechselbare ihrer Musik glaubwürdig auf die Bühne bringen möchte, dann gehören hierzu nicht nur ein gründliches Gesangsstudium, sondern auch die Fähigkeit, den Witz, die pointenreiche Gestik und die jeder Sentimentalität innewohnende Unschuld darzustellen, die zum Geist dieser Lieder gehören.

Wenn diese dann immer wieder durch ein wandlungsfähiges Faktotum wie dem Schauspieler Gisbert-Peter Terhorst zusammengehalten wer-den, gehören gerührtes Miterleben, staunende Bewunderung und begeisterte Beifallstürme zum selbstverständlichen Teil eines solchen Theaterabends. Mehr davon!