Happy End (Elisabeth Hauptmann)

Raffiniert arrangiert

Zumindest für Lindaus Stadttheater war das ein „Happy End“, über das sich die Mehrzahl der Besucher gefreut haben dürfte. Leider lassen sich Schwarz und Weiß im richtigen Leben nicht immer so leicht unterscheiden wie in dieser fetzigen Komödie.

In „Happy End“ geht das Verdienst um die Autorenschaft endlich eindeutig an Brechts wichtige Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann. Nur ein Jahr nach der „Dreigroschenoper“ dürfen jetzt ähnliche Bühnengestalten zeigen, dass man die Tricks aus Hollywood verstanden hat: Kriminelle eignen sich zwar für eine spannende Story, so recht warm ums Herz wird einem aber erst, wenn wir Braven ihre Seele retten dürfen.

Veredelt durch Brechts spürbare Nähe, brillant aufgepeppelt durch die unverwüstlichen Kurt-Weill-Songs, entstand so ein Stück, das sowohl den Darstellern als auch dem Lindauer Publikum gehörigen Spaß machte. Es wurde verwöhnt durch ein üppiges Schauspieleraufgebot, aus dem sich gleich mehrere in die Zuschauerherzen spielten. Allen voran Peter Bause als „Ballhaus Bill“, der sich mit beachtlichem Schwung, diebischer Energie und sentimentalen Momenten seiner „feindlichen“ Übernahme entgegenzustemmen versuchte. Die näherte sich ihm und seinen köstlichen Kumpanen ausgerechnet im Gewande der Heilsarmee, in der verhängnisvoller Weise auch hübsche Frauen Karriere machen können. „Hallelujah-Lilian“ hieß die hier, und Stephanie Lang konnte kaum verbergen, dass sich hinter ihrer Raupen-Uniform eine Schmetterlingsfrau verbirgt. Mit darstellerischer Power und einem wahren Farbenreichtum gestalterischer Facetten goss sie die Weill-Songs auf die Bühne, als müssten diese ganz neu zu wachsen beginnen. Überhaupt die Lieder: Mit sieben versierten Musikern im Hintergrund trug man nicht nur ihrer Bedeutung für das ganze Stuck Rechnung, sondern verstand es auch, sie geschickt in den Ablauf einzubauen. Immerhin: Die zwölf Songs aus „Happy End“ sind meist so raffiniert arrangiert und anspruchsvoll, dass mittlerweile keinerlei Gemeinsamkeiten mehr mit den Anforderungen eines Grand Prix zu bestehen scheinen.

„Happy End“ bietet vielen Schauspieltypen Gelegenheit zur Entfaltung: etwa den hinreißenden Gaunerzwillingen, die mit Eckhardt Bogda und Peter

K. Hoffmann beinahe verschwenderisch besetzt waren; oder auch Hellena Büttner, die eine überzeugende „Dame in Grau, genannt Fliege“ gab. Fazit: Ein unterhaltsamer Theaterabend, der unbehelligt von Brechtschen Ermahnungen Einblicke in das hehre Tun der Heilsarmee und die Nöte verkannter Gangster gewährte, deren Zusammenwirken unweigerlich zum „Happy End“ führen musste. Dass dies in den Händen eines tollen Ensembles lag, machte den Besuch so lohnenswert.