Ein Frosch, ein Bär, ein Leberfleck
Vermutlich kann eine leicht verstaubte Komödie wie „Ingeborg“ das pikante Potenzial einer Dreierbeziehung kaum mehr auf die Bühne bringen. So belässt man es denn – wie am Montag geschehen – bei überzogenem Rollenspiel und gelegentlich witzigen Dialogen.
Nicht, dass sich Regisseurin Karin Boyd keine Gedanken gemacht hätte: Sie hat sich angesichts der zweifelsohne charmanten, aber hoffnungslos veralteten Textvorlage von vornherein für eine Überzeichnung der Figuren entschieden und deren ständigem Zitatenhunger üppigen Raum verschafft.
Und so darf Dagmar Hessenland die altklugen Lebensweisheiten der verwunderlichen Tante Ottilie so gespreizt daher sagen, dass ihnen selbst ein Poesiealbum den Eintritt verwehren würde. Ulrich Scherzer versieht Herrn Konjunktiv, den Diener des Hauses, mit resignativer Würde, darf aber gelegentlich seines Amtes walten und etwa darauf hinweisen: „Es wäre angerichtet.“
Zurecht buhlen Peter Rißmann als Ehemann Ottokar und Nils Weyland, der spät ankommende Rivale Peter Peter, um die Gunst von Ingeborg, die in Christina Puciata aufs Hübscheste verkörpert ist. Da wird gebalzt und getrunken, geküsst und umarmt, und die gegenseitigen Sympathiebekundungen wollen gar kein Ende nehmen. Irgendwann wird offenbar, dass es bei Ingeborg einen Leberfleck in einer Körperregion gibt, die allenfalls vom Blick des Gatten erfasst werden darf – und ausgerechnet der Neuankömmling war es, der dieses Anblicks bereits in früheren Tagen teilhaftig wurde. So nehmen späte Lust bei Peter Peter und neue Eifersucht bei Ottokar dermaßen überhand, daß die Umschwärmte ernsthaft den Rat Ottiliens überdenkt, notfalls mit einem Dritten durchzugehen. Der aber ist in der Komödie von Curt Goetz nicht vorgesehen, weil Hadrian, der sechste im Bunde der namentlich Erwähnten, nur ein Frosch ist, gelegentlich dazwischen quakt und ansonsten „mit jener Tätigkeit beschäftigt ist, die ihn am meisten ausfüllt: er atmet“. Dann gibt es da noch den roten Bären, der Ingeborg im Traum verfolgt hat. Diese Traumdeutung findet sich als rot bemalter Regieeinfall auf den Augenlidern Ottokars und Peters, am Ende auch auf denen Ingeborgs wieder: infiziert vom gegenseitigen Begehren, dessen Ausgang der Autor offen lässt.
„Ingeborg“, diese Komödie aus den 20er-Jahren, ist trotzdem so etwas wie der vergebliche Versuch, einem Schwarzenegger-Film die Tarzan-Filme aus den 50er-Jahren entgegenstellen zu wollen. Um mit Herrn Konjunktiv zusprechen: „Sie wäre auch entbehrlich gewesen.