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Tragödien des Alltags

Ob das weite Theaterrund, in dem gerademal jeder sechste Platz beansprucht wurde, der rechte Ort für Gabi Lodermeiers Revuekonzentrat war? Sei’s drum: ihr entschlossener Auftritt als Putzfrau ins hell erleuchtete Theaterparkett ließ den Zuhörern fortan wenig Raum, eingehender darüber nachzudenken. Wie schon in dieser Szene alle Facetten und Geheimnisse dieses Berufsstandes beschrieben wurden, der uns Männer geradezu bedauernswert macht, davon … Weiterlesen

Lindauer Kabaräh – „umfassend und neutral“

LINDAU – Wieder einmal hat das „Lindauer Kabaräh“ „umfassend und neutral“ darüber informiert, was hier in den vergangenen beiden Jahren wichtig war. Und wer es aus seiner Sicht wert war, Spott über sich ergehen zu lassen. So läuft das mittlerweile: Auch wenn sie damit rechnen müssen, in aller Öffentlichkeit hochgenommen oder gar bloßgestellt zu werden, so kommen sie doch jedes … Weiterlesen

Carte Blanche

Schrille Verkleidungsorgie Allzu üppig waren die Hinweise nicht, die von der Travestie-Show „Carte Blanche“ kündeten. Gleichwohl fanden sich etwa vierhundert Zuschauer im Stadttheater Lindau ein. Seit das mit „Mary und Gordy“ nichts mehr ist, tun sich gleichgesinnte Nachahmer schwer, deren Popularität und Anziehungskraft zu erlangen. Es ist wie beim Tennis: Egal, wie gut eventuelle Nachfolger sind, eine Garantie für volle … Weiterlesen

Die Leiden des jungen Werther (Goethe) (1999)

Nichts war’s mit dem wohligen Werther-Schauer, den Goethes Frühwerk auch heute noch auszulösen vermag. Als dramatisierte Fassung erfüllte die Aufführung gleichwohl den Anspruch auf eine zeitgemäße Annäherung. Die laute Penetranz der gewiß GEMA-freien Musik durch ein E-Piano ließ zunächst Schlimmes ahnen. Und an die gelegentliche Einmischung der lebendigen Figuren inmitten eines überdimensionalen Bilderrahmens würde man sich schon gewöhnen können. Neugierde … Weiterlesen

Mein Kampf (George Tabori)

Hitlers Frauenbild und sein nacktes Gretchen Dass auch Liebe und Schöngeistiges kein probates Mittel ergeben, um verbrecherische Ansätze im Keim zu ersticken, zeigte die Farce „Mein Kampf“. Trotz Schnees strömte das Publikum, das sich abwechselnd auf den nackten Wahnsinn des Führers und den nackten Körper von Taboris Gretchen konzentrieren durfte. Was hat sich der schmächtige Schlomo Herzl bemüht, seinen „mütterlichen … Weiterlesen

Urfaust (Goethe)

Urfaust als ungewöhnlich intensives Theatererlebnis Wenn Faust auf den Plan tritt, herrscht in bundesdeutschen Stadttheatern Belagerungszustand durch Gymnasiasten. Das Landestheater Schwaben bot ihnen im Lindauer Stadttheater ein packendes Konzentrat des Goethe-Stoffes. Da wird sich mancher gewundert haben, wie zwei so abstoßend gestylte Männer mit der Anmut einer Birgit Konnry als Gretchen in jene unheilvolle Beziehung treten könnten. Der Trick dazu … Weiterlesen

Späte Gegend (Lida Winiewicz)

Besetzung mit Ruth Drexel und Christine Ostermayer ein Glücksfall Wie vielfältig die Mittel der Bühne sind, um sich beispielsweise einem Thema wie dem Nationalsozialismus zu nähern, zeigten die beiden letzten Aufführungen im Stadttheater. Glänzte „Mein Kampf“ noch durch ein schrilles Handlungsgeflecht, so setzte „Späte Gegend“ ausschließlich auf erzählerische Elemente. Ruth Drexel und Christine Ostermayer konnten mit der ganzen Publikumssympathie rechnen: … Weiterlesen

Meisterklasse (Terence McNally)

Einblick in die Welt der Callas Ob es „Meisterklasse“ gelungen ist, dem Phänomen Maria Callas näher zu kommen, wird jeder für sich beurteilen müssen. Jedenfalls war es eine Paraderolle für Doris Kunstmann, die oft so spielte, als wäre ihr manches der Diva auf den eigenen Leib geschrieben. Für Terence McNally, den Autor von „Meisterklasse“, dürfte es faszinierend gewesen sein, die … Weiterlesen

Candida (G.B. Shaw)

Überraschendes und allerlei Anregungen zu Tage gefördert Eine originelle Deutung von Shaws beinahe vergessener „Candida“ bot die „Münchner Tournee“ im Stadttheater. Werden die überaus fachmännischen Eingriffe ihr künftig größere Aufmerksamkeit bescheren? Reich illuminiert war der Behandlungsraum, viel Platz gab’s für Phantasie und bedeutungsschwere Spielebenen – kein Zweifel: Dieser Candida sollte gründlich zu Leibe gerückt werden. Helmut Polixas Regiekonzept setzte nicht … Weiterlesen

Liebe, Lügen, Lampenfieber (Josiane Balasko)

Frisierte Kalauer als leicht verdauliche Kost Mit der hübschen Komödie „Liebe, Lügen, Lampenfieber“ machte sich das Stadttheater an den Saisonstart. Die Popularität Herbert Feuersteins war dabei Garant für ein volles Haus. So ist das mit der TV-Popularität: Ein erstes Auftauchen an der Bühnenrampe genügt, und schon feiern ein paar hundert Hände, dass da ein vertrautes Gesicht dem Bildschirmformat entstiegen ist. … Weiterlesen