Liebe, Lügen, Lampenfieber (Josiane Balasko)

Frisierte Kalauer als leicht verdauliche Kost

Mit der hübschen Komödie „Liebe, Lügen, Lampenfieber“ machte sich das Stadttheater an den Saisonstart. Die Popularität Herbert Feuersteins war dabei Garant für ein volles Haus.

So ist das mit der TV-Popularität: Ein erstes Auftauchen an der Bühnenrampe genügt, und schon feiern ein paar hundert Hände, dass da ein vertrautes Gesicht dem Bildschirmformat entstiegen ist. Und erwartungsgemäß sorgte Herbert Feuerstein mit einer Mischung aus Klabautermann und Woody Allen, frisierten Kalauer und eindeutig Zweideutigem für herzhafte Lacher. Das anfänglich spritzige Verbalgemisch brachte die zweieinhalbstündige Komödie jedoch schon bald in ruhiges, berechenbares Fahrwasser – mit überraschenden Zündungen war da bald nicht mehr zu rechnen.

So wurde der Blick frei auf den emotionalen Rollen- und Geschlechterkampf zwischen Gaby Gasser als abgehalfterte Schauspielerin und Jürgen Mai, der in ihr seine Albtraumpartnerin fand. „Das Grauen hat einen Namen“, befand Herbert Feuerstein in seiner Rolle als Regisseur, und entsprechend war der Ehrgeiz von Gigi und Hugo, diesem Namen auch alle Ehre zu machen. Ihr Schlagabtausch gebar zahlreiche Spielvarianten und endete – wie bei Komödien offenbar unvermeidlich – in herzlichster Zuneigung und einer Rückbesinnung auf bessere Beziehungszeiten.

Dazwischen gab’s aufschlussreiche Ursachenforschung über längst überwunden geglaubte Missverständnisse, und hier konnte man zwischendurch vergessen, Zeuge. einer Komödie zu sein. Die ironischen Spitzen gegen mangelhafte Übersetzungen von Theaterstücken – immerhin besorgte Regisseur Manfred Langner selbst die Übertragung der französischen Vorlage – und unerfreuliche Charakteristika eines typischen Theaterbetriebes waren Spielfelder, die für willkommene Abwechslung sorgten.

Hierzu gehörten auch die Ausführungen über Probleme, die alternde Schauspielerinnen haben („Für Männer gibt es immer Rollen“) und gewiss auch jenes aufregende Kleid von Gaby Gasser, über das Herbert Feuerstein mutmaßte: „So geht man zum Bruströntgen.“ So wird „Liebe, Lügen, Lampenfieber“ zwar kaum als Beispiel für den Sinn des Theaters herhalten können – als leicht verdaulicher Appetitmacher für den meist gehaltvollen Rest der Theatersaison taugt die Komödie aber allemal.