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Bürgermeister auf Abwegen (Chiemgauer Volkstheater)

Zuverlässiges Zugpferd für die letzten Stunde des Jahres Einmal mehr erwies sich das Chiemgauer Volkstheater als zuverlässiges Zugpferd für die letzten Stunden des Jahres. „Der Sündenfall“ schöpfte gleichermaßen gekonnt wie ungeniert aus den Ideen, die bereits Kleist für den „Zerbrochenen Krug“ verwendet hat. So fanatisch, wie da Bernd Helfrich eingangs als Bürgermeister für Sitte, Moral und Ordnung eintrat, war klar, … Weiterlesen

Der Zerbrochene Krug (Heinrich von Kleist)

Überzeugend agiert Wenn ein Lustspiel-Klassiker wie „Der Zerbrochene Krug“ immer noch mühelos das Stadttheater zu füllen vermag, muss einem um dessen Berechtigung wahrlich nicht bange werden. Die derb-pralle Regie von Pia Hänggi ging ungebremst über den beiden Hauptakteuren auf. Es muß ein ziemlich kleines Dorf gewesen sein, in dem jemand wie Adam zum Dorfrichter avancieren konnte. Vielleicht lag es ja … Weiterlesen

Becket oder Die Ehre Gottes (Jean Anouilh)

Mit schlüssiger Aufführung Erwartungen erfüllt Besonders groß war das Interesse nach „Becket oder Die Ehre Gottes“ nicht. Anouilhs Kunststück, Geschichte bühnentauglich und unterhaltsam zu machen, ist aber in der Inszenierung von Günther Fleckenstein bestens aufgegangen und hätte durchaus größeren Zuspruch verdient. Gewiss wurden gelegentlich Fahnen geschwungen und aufgetakelte Pferdeattrappen bemüht: Schließlich müssen Männerspielzeuge, mit denen man Kriege so hübsch dekorieren … Weiterlesen

EiferSucht (Esther Vilar)

Lustvoll ausgespielter Erfolg Eigentlich ist die Story ganz einfach: Drei Frauen aus einer jeweils anderen Generation geraten wegen des selben älteren Herren – immerhin Ehemann der Ältesten – aneinander. Wenn Esther Vilar sich dann deren „Eifersucht“ (so der Name ihres neuen Stückes) annimmt, ist für gescheite Unterhaltung und ein nahezu volles Theater gesorgt. Wenn sie sich ebenso theaterwirksam zerknüllen, gar … Weiterlesen

Clavigo (Goethe)

Keine überzeugende Inszenierung Am Ende dieser vergleichsweise schwach besuchten Vorstellung im Stadttheater blieb vor allem das Gefühl, einen „Clavigo“ gesehen zu haben, der nicht überzeugend inszeniert, zu wenig gekürzt und oft schlecht ausgeleuchtet war. Immerhin waren die schauspielerischen Leistungen sehr ansprechend. Die Aufgeregtheiten des abgelaufenen Goethe-Jahres haben auch dem frühen „Clavigo“ mehr Aufmerksamkeit beschert, als sie diesem bisher vergönnt waren. … Weiterlesen

Draußen vor der Tür (Wolfgang Borchert)

„Menschen in Not sucht man nicht“ Wer Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ lediglich für ein Kriegsheimkehrerstück hält, dem müsste der hervorragende Besuch im Stadttheater unerklärlich sein. Doch Regisseur Michael Wedekind hat überzeugend dargestellt, dass Schicksale, wie das von „Beckmann“, nicht immer nur sinnloser Kriege be-dürfen, um solche Tragik zu entfalten. Was für eine Bühnenwirkung für den als Beerdigungsunternehmer verkappten … Weiterlesen

Minna von Barnhelm (Gotthold Ephraim Lessing) (Theater Blauer Kater)

Hinreißende Aufführung eines Lessing-Klassikers Nicht nur auf junge Zeitgenossen mag der verschrobene Ehrbegriff in „Minna von Barnhelm“ ziemlich abwegig wirken. Dass Lessings Lustspiel dennoch nicht ins Regal für wirkungslose Klassiker gehört, hat das „Theater Blauer Kater“ mit einer detailverliebten Inszenierung vorgeführt. Was für ein Kraftakt: Nur wenige Monate nach den Aufführungen von „August August August“ präsentiert das Team um Elisabeth … Weiterlesen

Nathan der Weise (Gotthold Ephraim Lessing)

Beste Unterhaltung ohne erhobenen Zeigefinger Deutschlehrer können aufatmen: Beim Auftakt der Theatersaison mit „Nathan der Weise“ konnten ihre Schüler eine flüssige und humorvolle Inszenierung erleben, die unangestrengt aktuelle Bezüge herzustellen wußte. Ganz zuwider dürfte sie der neuen Glaubensdefinition der Herren Ratzinger und Co. sein, deren Kurie im Nathan ja schon einmal einen „Anschlag auf das Christentum“ sah: „Tut nichts, der … Weiterlesen

Der Tod und das Mädchen (Ariel Dorfmann)

Opfer hält Gericht über den Peiniger (enz) Opfer und mutmaßlicher Täter stehen einander gegenüber: Ist er’s oder ist er’s nicht? Wenn ja, wie kann Rache aussehen? Wie Sühne? Kann es gar Vergebung geben? Die Theaterbesucher werden zu Geschworenen, suchen in einem politischen Psycho-Thriller rätselnd Antworten auf Fragen, die über Schuld oder Unschuld entscheiden! Mit dem Stück „Der Tod und das … Weiterlesen

August! August! August! (Pavel Kohout)

Ein August zum Verlieben Wen bisher der vermeintlich hohe Eintrittspreis von einem Besuch abgehalten hat, dem sei versichert: So viel Theater und Zirkus in solcher Qualität wird um diesen Preis kaum sonst wo geboten. Eine „August“ Aufführung zum Verlieben! Solch‘ unglaublichen Aufwand für ein Theaterstück kann wohl nur treiben, wer davon ganz besessen ist. Elisabeth Gessau hat mit ihrer zweiten … Weiterlesen