Clavigo (Goethe)

Keine überzeugende Inszenierung

Am Ende dieser vergleichsweise schwach besuchten Vorstellung im Stadttheater blieb vor allem das Gefühl, einen „Clavigo“ gesehen zu haben, der nicht überzeugend inszeniert, zu wenig gekürzt und oft schlecht ausgeleuchtet war. Immerhin waren die schauspielerischen Leistungen sehr ansprechend.

Die Aufgeregtheiten des abgelaufenen Goethe-Jahres haben auch dem frühen „Clavigo“ mehr Aufmerksamkeit beschert, als sie diesem bisher vergönnt waren. Das Ergebnis der „Bühne 64″ in der Inszenierung von Ezard Haußmann lässt allerdings daran zweifeln, ob ihm damit zu größerer Popularität verholfen wurde.

Schon das arg zweckorientierte, beinahe lieblos gestaltete Bühnenbild lenkte alle Hoffnung auf eine entsprechend stringente Regie. Sie hätte solche Äußerlichkeiten vielleicht zur Nebensache machen und möglicherweise davon ablenken können, wenn die zahlreichen Tonaufnahmen stets abrupt endeten.

Diese Hoffnung wurde allerdings nicht erfüllt. Stattdessen hangelten sich die Darsteller – einschließlich des durchaus überzeugenden und einfühlsam agierenden Ezard Haußmann als Carlos – durch hübsch aneinandergereihte Regieeinfälle, die sich munter zwischen gegenseitigen Umarmungen, durchsichtiger Bewegungschoreographie und mehr oder weniger motivierten Gefühlsausbrüchen der Darsteller abwechselten. Als wäre das Vertrauen in Goethes Sprachgewalt begrenzt, wurden viele Dialoge mit ablenkenden Spielkomponenten überfrachtet und damit überreizt: Hysterie und Lautstärke feierten fröhliche Urständ und verstellten manch psychologischer Entwicklung den Weg.

Wie spannend das jeweils hätte werden können, zeigte das packende Gespräch zwischen Clavigo (Martin Olbertz) und Carlos (Ezard Haußmann) nach der Pause, als dieser seinen Freund zum zweiten mal zum Treuebruch überredet, oder auch zwischen (der schauspielerisch am überzeugendsten wirkenden) Nicole Horny und Mariam Kurth als Marie, deren Rolle als verlassenes Mädchen seltsam uneinheitlich zu Buche schlug.

Tapfer und glaubwürdig solidarisierten sich Ulrich Müller-Hönow und Ingo Seeckts mit der Verstoßenen, und auch Thomas Grünholz gab den rächenden Bruder mit Verve und – im Zweifelsfall – übertriebenem Fanatismus.

Trotz Goethe dürfte diese Aufführung also eher der Sorte von Theaterstücken zuzurechnen sein, die dafür verantwortlich ist, wenn sich der Zuschauernachwuchs nicht so recht bilden will.

So durfte am Ende dieses langen Theaterabends das Ensemble zwar freundlichen Beifall entgegennehmen – die Gewissheit aber, ihn zu einem besonderen Erlebnis gemacht zu haben, wird wohl anderen vorbehalten sein.