Ein August zum Verlieben
Wen bisher der vermeintlich hohe Eintrittspreis von einem Besuch abgehalten hat, dem sei versichert: So viel Theater und Zirkus in solcher Qualität wird um diesen Preis kaum sonst wo geboten. Eine „August“ Aufführung zum Verlieben!
Solch‘ unglaublichen Aufwand für ein Theaterstück kann wohl nur treiben, wer davon ganz besessen ist. Elisabeth Gessau hat mit ihrer zweiten Inszenierung von Pavel Kohouts „August, August, August“ ein besonderes Glanzlicht unter ihre bisherigen Regiearbeiten gesetzt. Den Untertitel „Zirkusvorstellung mit Pause“ hat sie einfach wörtlich genommen und das Ganze in ein echtes Zirkuszelt verlagert. Für die zahlreichen Mitwirkenden bedeutet dies, mit neuen „Arbeitsbedingungen“ zurecht zu kommen. Und der Kassierer muss hoffen, dass die hohen Kosten und die teure Miete für das 250-Personen-Zelt durch einen guten Besuch erwirtschaftet werden. Zumindest in dieser Hinsicht sollten die Theaterleute mit noch größerer Solidarität und Neugierde all derjenigen rechnen dürfen, die hohe Erwartungen sowohl an schauspielerische Leistungen als auch beste Unterhaltung stellen. Wie gründlich dabei das angekündigte Vorhaben gelungen ist, „euch von der Alltagslast zu befreien“, war den begeisterten Premierengästen anzumerken.
Elisabeth Gessau konnte für die aktuelle Inszenierung auf ihre erste Spielergarnitur zurückgreifen, die – anders als die hübsch gemalte Zirkuskapelle (souveräne Leitung: Michael Neunteufel) – nicht von Pappe war.
In stolzer, kontrollierter Haltung gab Peter Kristukat den Direktor Holzknecht und hat dabei stimmlich ziemlich zugelegt. Als Stallmeister verstand es Uli Mayer hervorragend, sein böses Spiel gegenüber Clown August zu treiben; dabei bringt er die vornehmen Elemente seines Ranges genauso zum Tragen wie die gehässigen und die der Schadenfreude. Petra Wölfle sprühte in der Rolle der Lulu förmlich über; ihre Fähigkeit, sämtliche Stimmungsumschwünge glaubhaft darzustellen, spricht für die spielerische Bandbreite, die sie mittlerweile erreicht hat. Hinreißend, wie das Naturtalente so an sich haben, war wieder einmal Christian Bandte. Seine stimmliche Konsequenz begeisterte dabei ebenso wie sein Temperament und die Gestenvielfalt.
Einen besonderen Spaß hatte auch Benjamin Spähn an seiner Rolle als August junior, den er mit herrlichen Gebärden aus dem Kindesalter ausstattete und sich nebenbei wohl auch für größere Aufgaben empfahl.
Doch war es einmal mehr Markus Hepp in der Titelrolle, der entscheidend dazu beitrug, dem Ensemble das Etikett „Idealbesetzung“ zu geben.
Wie dieser Schauspieler mit den zahllosen Wortspielen umging, ohne dabei je die Vielfalt clown-typischer Reaktionen und Bewegungen aus dem Blick zu verlieren, das hatte Klasse und war bewundernswert. Bei allem Spaß und Phantasiereichtum, den diese Aufführung auszeichnet, ließ er nie vergessen, daß „August, August, August“ ein Drama ist und der Widerspruch zwischen Macht und Phantasie unüberbückbar ist. Markus Hepp nährt bei allem Überschwang kaum die Hoffnung, dass es ausgerechnet diesmal mit dem Traum, der einfach immer auch „ein Traum bleiben soll“ klappen könnte.
Ansonsten halten llo Klein, Jasmin Poll und Gabi Giesing, aber auch die Artisten Anna Jäger, Heide Mündelein und Erwin Rundel eine Menge Überraschungen und witzige Zirkusnummern bereit, auf die hier zwar begeistert hingewiesen werden muss, die aber im Interesse der künftigen Besucher nicht verraten werden dürfen. Nur soviel: Sie tun das wieder in einer solchen Kostümpracht und mit Requisiten, die so einfallsreich und witzig sind, dass man Elisabeth Gessau für solch ein kreatives Team nur beglückwünschen kann.
Fazit: Wer nur zweimal jährlich Theater sieht, sollte es einmal hier tun.