LINDAU – Gelegentlich staunen selbst gestandene Musikpädagogen darüber, welch kleine Wunder so eine Intensivwoche bescheren kann. Bereits zum dritten Mal war der renommierte Geiger Rudens Turku als künstlerischer Leiter in Lindau, um mit 20 jungen Musikern beim Violinkurs einen weiten Sprung nach vorne zu machen.
Man kennt diese Mischung aus Wohlwollen und Unbehagen, wenn sich allzu unerfahrene Geigenschüler über wehrlose Klassiker hermachen, nur um hinterher beispielsweise einen Mozart im „Repertoire“ zu wissen. Nicht so bei dem erfahrenen Pädagogen Fagu Turku, der seinem Sohn Rudens in dieser Woche zur Seite stand und nun mit zehn Kindern des diesjährigen Intensivkurses das Menuett aus dem „Don Giovanni“ einstudiert hat, um es an den Anfang des Abschlusskonzertes im Stadttheater zu stellen. „Zwergerl-Orchester“ hat er dieses kleine Streicher-Ensemble genannt. Und es war mehr als beachtlich, was hier in puncto Rhythmus, Intonation und aufmerksamem Zusammenspiel geleistet wurde.
Von da ab waren es insgesamt neun Geigenschülerinnen und zwei Schüler, die sich mit teils höchst anspruchsvoller Kammermusik beziehungsweise Bearbeitungen für Violine und Klavier einem aufmerksamen Publikum präsentierten. Oxana Müller war dabei eine höchst einfühlsame Begleiterin am Klavier.
Auch wenn es schwer fällt, hier nicht auf alle einzeln eingehen zu können, so sei hier wenigstens stellvertretend etwa Rebekka Nollert erwähnt, die einen Satz aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ zupackend und mit erstaunlicher Bühnenpräsenz bewältigte. Oder Antonia Kiraly, die zusammen mit ihrem Vater am Klavier mit Bartóks „Rumänischen Volkstänzen“ begeisterte – ebenso wie Roana Grimmel, deren erstaunliche Fortschritte jetzt im ersten Satz von Schumanns a-Moll-Sonate hörbar wurden. Gewiss war der Schwierigkeitsgrad dem jeweiligen Alter und der bisherigen Unterrichtsdauer angepasst, wie man zum Beispiel bei den einzigen männlichen Vertretern des Abends beobachten konnte – dem siebenjährigen Emanuel Jokisch und seinem 19-jährigen Bruder Elias, der mit dem gekonnt gespielten ersten Satz des Violinkonzertes von Max Bruch aufwartete. Doch auch wenn der „Übungsvorsprung“ von 14 Jahren natürlich die schönsten Spuren hinterließ: Disziplin und Ernsthaftigkeit waren sowohl dem Jüngeren als auch dem Älteren anzumerken. Beides paarte sich bei allen Teilnehmern mit Freude am Spiel und einer spürbaren Hingabe, die of- fenbar zum Merkmal der ganzen Kurswoche wurde.
Teilnehmerschar ist stolz
Jedenfalls kam dies in den kurzen Rückblenden zum Ausdruck, die Kulturamtsleiterin Angela Heilmann, Musikschulleiter Gerhard Kirchgatterer und Kursleiter Rudens Turku vor der stolzen und glücklichen Teilnehmerschar abgaben. Dass diese ihren Dank auf ebenso herzliche wie originelle an die Verantwortlichen Zurückgaben, war wohl ein weiteres Indiz für den Stellenwert und die Rolle, den dieser Violinkurs inzwischen für viele junge Geiger hat.