Zugkräftige Klassik und entspannte Walzerseligkeit

LINDAU – Mit einer gut verdaulichen Mischung berühmter Werke von Johann Strauß und „Hits“ von Offenbach, Bizet, Verdi und Brahms gestaltete das Wiener Ambassade Orchester ein stimmungsvolles Open Air Konzert auf dem Paradiesplatz. Dirigent Christian Schulz agierte dabei als charmanter Conférencier.

Nun also ist das ehrgeizige Vorhaben des Lindauer „Griechen“ Achilles Stertsos und von Dr. Kay Evers Wirklichkeit geworden: den Paradiesplatz in ein Forum zu verwandeln, das dem Publikum einen Hauch dessen vermittelt, was in Bregenz so erfolgreich ist: klassische Musik im Freien zu geniessen. Vor der griechischen Taverne mußte man dann allerdings zunächst anderthalb Stunden bis zum Beginn warten, so daß sich das ursprünglich musikalische Interesse bald in ein kulinarisches verwandelte und es somit eine unnötig kommerzielle Schlagseite bekam. Oberbürgermeisterin Petra Seidl trat dem aufkommenden Unmut rechtzeitig entgegen und beschleunigte durch ihre Initiative den Start. Sie dankte bei ihrer offiziellen Eröffnung allen Verantwortlichen und sah von einer weiteren Erwähnung dieser unverständlichen Wartezeit, für die nicht das Orchester verantwortlich war, ab.

Im musikalischen Teil der „Insel-Symphonie“ vertraute man dann weitgehend auf Bearbeitungen solcher Werke, die zur „ewigen Hitparade“ klassischer Musik gehören – also neben Walzern und Polkas von Johann Strauß auf die (gekürzte) Carmen-Ouvertüre, Offenbachs instrumentale Barcarole oder Verdis (chorlosen!) Nabucco-Chor – doch entsprach das durchaus den Erwartungen, die man von einer solchen Veranstaltung hat. Vor einer hübsch bemalten Kulisse präsentierte sich mit dem Ambassade Orchester ein Salonorchester, das mit den Gepflogenheiten solcher Konzerte bestens vertaut ist und dabei nicht zuletzt von der bekannten Dramaturgie der jährlichen Neujahrskonzerte in Wien profitiert: am Ende, humorvoll angekündigt als Lindauer Komposition, die heimliche österreichische Nationalhymne „An der schönen blauen Donau“ und schließlich – unter begeistertem Mitklatschen des Publikums – der „Radetzky-Marsch.“ 

Inmitten dieser klassischen „Stimmungsmacher“ aber wußte Überraschungsgast Magdalene Hofmann, die in Bregenz im „Schlauen Füchslein“ singt, zwei echte Glanzlichter zu setzen: mit einer atmosphärich dichten Interpretation der Habanera aus Bizets „Carmen“ sowie dem berühmtem Couplet aus der „Fledermaus“ („Ich lade gern mir Gäste ein“) blitzte tatsächlich ein wenig Festspielstimmung auf, und die ursprüngliche Absicht, an vergangene Aufführungen der Seebühne zu erinnern, wurde hier am unmittelbarsten erfüllt.  

Vielleicht hätten eine moderartere Gestaltung der Eintrittspreise und eindeutigere Informationen über die Abfolge der gespielten Stücke im Vorfeld dieses Open Airs für eine noch größere Auslastung des üppigen Platzangebotes gesorgt. Am pfiffigen Programm und der exzellenten Tontechnik jedenfalls lag es nicht, wenn der geplante Einstieg in die Reihe der „Lindauer Insel Symphonie“ zumindest unter wirtschaftlichen Aspekten noch nicht alle Erwartungen erfüllt haben sollte. Die Mitstreiter um Achilles Stertsos und Dr. Kay Evers haben jedenfalls bewiesen, dass das wahrlich viel beanspruchte kulturelle Herz Lindaus auch Platz für Konzerte dieser Art hat.