Würdiger Abschluss der Mozart-Konzertreihe

LINDAU – Beinahe zwei Jahre hat die Reihe mit Mozarts komplettem Klavierwerk beansprucht, die jetzt im Gewölbesaal zu Ende ging. Tahmina Feinstein, die dort schon mehrmals konzertiert hat, sorgte am Samstag für ein passendes Finale.

Zu Recht waren sowohl Volker Lukas als Gastgeber wie auch Veranstalter Dr. Roland Treiber stolz darauf, diesen Klavierzyklus „durchgezogen und durchgehalten“ zu haben. Trotz der saisonüblichen Veranstaltungsflut waren noch einmal rund fünfzig Zuhörer gekommen, um zusammen mit der russischen Pianistin in die teilweise unbekannten Weiten von Mozarts Klavieroeuvre vorzudringen.

Wie lohnend das sein kann, bewies einmal mehr das „Blättern“ in Mozarts pianistischem Tagebuch, dem „Londoner Skizzenbuch“ des knapp 10-jährigen Wunderkindes. Mancher musikalische Gedanke des Kindes wird hier schon formuliert, der später im Werk des reifen Komponisten auftaucht. Denn es gehörte zum Verdienst dieser Reihe, aber auch zu den besonderen Möglichkeiten, die der Gewölbesaal bietet, neben den bekannten Sonaten oder Variationen Mozarts auch die vielen Fragmente und Einzelsätze, deren Zuordnung unklar ist, vorgestellt zu haben – ein Vorzug gegenüber anderen Konzertprogrammen, die sich eine solche Spezialisierung gar nicht leisten können.

Hörbarer Witz und Geist

Gleichwohl freut man sich aber, wenn zwischen manchem Unbekannten immer wieder auch die bekannten oder populären Kompositionen auftauchen, zu denen etwa die zwölf Variationen über das französische Lied „Ah, vous dirai-je Maman“ zählen. Dies umso mehr, wenn es der Interpretin gelingt, den Farbenreichtum und die besondere Leuchtkraft dieses „Weihnachtsmann“-Stückes so schön hervorzuheben, wie dies Tahmina Feinstein gelungen ist. Ein paar kleine „Fehlgriffe“ schlichen sich hernach im Kopfsatz der späten B-Dur Sonate KV 570 ein – wohl eine Folge der Tatsache, dass die Pianistin offensichtlich erst nach der Pause mit diesem Stück gerechnet hatte. Der zweite Satz hingegen entfaltete sich mit großer Ruhe und in gewohnter Souveränität, und auch das Schluss-Allegretto bot reichlich Material, an dem die Pianistin Mozarts Witz und Geist hörbar gemacht hat.

Die zweisätzige Sonate F-Dur KV 547a (deren 2.Satz dann mit dem transponierten Schluss-Satz der so genannten „Sonata facile“ aufwartete) hat sich pianistisch ein wenig unausgewogen dargeboten. Dann aber war es schließlich derjenigen mit der Köchel-Nummer 576 vorbehalten, als Mozarts letzte Klaviersonate auch diesen Klavierzyklus im Gewölbesaal zum Abschluss zu bringen. Klar gezeichnete Linien, dynamische Empfindsamkeit und ein feines Gespür prägten das Spiel von Tahmina Feinstein im Allegro; das ausdrucksstarke Adagio gestaltete sie ohne falsches Pathos, und im anspruchsvollen Schluss-Allegro brachte sie ihr technisches Können mit ihrer hohen Musikalität in Einklang.