Wortlos wirkt das Märchen

LINDAU – Das deutsch-polnische Jahr trägt in Lindau vielfältige Früchte. Großen Andrang gab es zuletzt in der Akademie Schönbühl, wo das „Teatr of Manhattan“ aus Lodz das Märchen „Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen aufführte – ganz ohne Worte.

Recht wortreich waren allerdings Einleitung und Nachbetrachtung von Akademie-Geschäftsführer Alfred Weinberger, der das Zustandekommen dieses Abends erläuterte: Während des Sommers hat die Akademie sechs polnische Praktikantinnen beschäftigt; eine von ihnen ist Ensemblemitglied. So kam es letztlich zu einer Aufführung mit dem „Teatr of Manhatten“ in der Akademie. Die sechsköpfige Gruppe unter der Regie von Maciej Chocholski besteht seit 16 Jahren: Sie hat in dieser Zeit ihre ganz eigenen Ausdrucksformen gefunden und dafür verschiedene Auszeichnungen bekommen.

Das polnische Ensemble nennt seine Interpretation von Hans Christian Andersens Märchen „Schneekönigin“ nach der Hauptfigur „Gerda.“ Das komplexe Stück mit seinen verschiedenen Handlungssträngen verwandelte sich in seiner Mischung aus Bewegung, Musik und Optik in eine überaus stimmungsvolle Handlung, die tatsächlich keiner Worte bedurfte. Als Requisit genügte ein schneeumrandetes Würfelgerüst, das mal traute Sicherheit, dann wieder Unentrinnbarkeit symbolisierte, das aber auch in heftige Bewegung versetzt wurde, um dann übermütige Freude oder aber Bedrohung darzustellen.

In präzise ausgeführter Choreographie entwickelt sich so die Beziehung von Gerda und Kay, die so unbeschwert begann, dann durch die kalte Berechnung der „Schneekönigin“ auseinander gerissen und erst nach vielen Umwegen wieder zusammengeführt wurde. In der pantomimischen Fassung des „Teatr of Manhattan“ wurde die Kraft der Verführung seitens der Schneekönigin stärker betont, als man es vom Märchen her kennt. Auch innerhalb der drei anderen Figuren – der Wahrsagerin und der beiden Eleven – wurden das Ringen um den Verführten und die Gefühle der verlassenen Gerda eindringlich hervorgehoben und mit tänzerischer Intensität erfüllt.

Ein Zauber macht sich breit

Verschiedene Regieeinfälle wie etwa der Schneefall aus Tausenden von Papierschnitzeln sorgten für spektakuläre Stimmungswechsel. Verdichtet wurde das Ganze durch eine fein abgestimmte Lichtführung und vor allem durch die Musik von Jacek Partyka, die sich im Laufe des Bühnengeschehens zu einem starken und schier unverzichtbaren Element entwickelte.

Als am Ende Bühne und Zuschauer in Dunkel gehüllt waren, dauerte es lange, bis sich der Beifall entlud. Offenbar taten sich viele schwer, den geheimnisvollen Zauber und die stumme, dafür umso eindringlichere Darbietung mit jäher Lautstärke zu beantworten.