LINDAU – So wenige sind das gar nicht, die Lindauer Sympathisanten und Anhänger alles Fränkischen, das an diesem Abend durchleuchtet werden sollte. Gut möglich, dass der Bamberger Liedermacher und Kabarettist Wolfgang Buck diese Schar noch „aweng“ erweitert hat, denn das Konzert kann man mit dem höchsten fränkischen Lob beschreiben: „Da kannsd nix soong.“
Evangelische Kirchgänger werden schwer mit der Versuchung gekämpft haben, diesen Mann doch einmal auf der Kanzel zu erleben. Zu spät: vor über zwei Jahren hat Wolfgang Buck seinen Talar an den Nagel gehängt, um nun das bisschen Welt, das es da noch außerhalb Frankens gibt, mit fränkischem Gedankengut zu missionieren. Den aktuellen Stand dieser Bemühungen hat seine persönliche Weltkarte schon mal festgehalten: leicht nördlich über dem Frankenschnellweg „Nämbärch-Fädd-Bambärch“ kommt schon bald der „Nordbol“, südlich davon findet man sich gleich in der „Doskana“, dem Herkunftsland der Zucchini, die die Franken zu solch unerhörter Größe und in ebensolchem Überfluss gezüchtet haben. Seine Frage, ob man in Schwaben die Dinger zum Entsorgen auch vor die Pfarrhaustür lege, hat ihm – wohl wegen der Anwesenheit des evangelischen Inselpfarrers – allerdings niemand beantworten wollen.
Wolfgang Buck vertraut bei seinem Lindauer Auftritt auf das, was überall in Franken Brauch ist: auf sich selbst statt auf andere. Zusammen mit seiner 6- und seiner 12-saitigen Gitarre ist das eine ganze Menge, denn Stimme und Gitarren beherrscht er vorzüglich. Damit erspart er sich wenigstens das, was Franken offenbar ungern tun, nämlich anderen dankbar sein. Doch auch so präsentiert er den begeisterten Zuhörern einen lupenreinen „Franken-Räp“, scratcht und spielt, was das Zeug hält und findet schon bald zu einer wunderbaren Mischung aus bissigem Entertainment, nachdenklichen Balladen, anregenden Texten und packenden Liedern. Da lodert intellektuelles Feuer neben beißendem Witz, entsteht begnadete Prosa zwischen politischem Kabarett. Köstlich, wie er mit dem „Antisportler-Blues“ sein altes Trauma bekämpft, bewegend, wie er das Thema „Glaube, Hoffnung, Liebe“ gekonnt zwischen Wortspiel und theologische Aussage ansiedelt: „i waas net mehr wie du, aber i glaub, i hoff“.
Wir erfahren, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Industrie-Banden, die Politiker bestechen und der Bandenwerbung, und wir sind uns einig mit Wolfgang Buck, dass Moses mit seinen Zehn Geboten keinerlei Chance gehabt hätte, diese durch die Gesetzgebungsorgane Berlins zu bekommen: ein Stück von geradezu literarischer Wucht, das prompt den meisten Szenenapplaus erhält. Immer wieder blitzt dazwischen seine Liebe und seine Begabung für afrikanisches Sprachgut auf, dass er geschickt manchen Stücken einverleibt – „Sambesi“ nennt er denn auch eine seiner CDs, benannt nach dem Fluß, der „dem Wolfgang sei Weld“ in Oberfranken durchfließt.
Im Zeughaus sorgten derweil fränkische Wurstbrote und heimatliche Getränke dafür, dass ihm sein Abstecher in den fremden Süden nicht allzu schwer fiel. Denn wenn das, was er von seiner „fränkischen Wildnis“ zu berichten wusste, tatsächlich alles zutrifft, muss ihm sein Ausflug in den fernen Süden „aweng“ abenteuerlich vorgekommen sein. Ob ihn der herzliche und lange Applaus trotzdem bald wieder herführt?