Wo Mozart meckert

LINDAU – Durch allzu große Ehrfurcht vor den berühmten Stoffen der Weltliteratur haben sich Wolfgang B. Sutter und seine jugendliche „Wolfi-Gäng“ bisher nicht hervorgetan. Dass sich aus diesem Prinzip durchaus eine eigenständige Kunstform entwickeln lässt, hat jetzt die Bearbeitung einer Oper, nämlich Verdis „Troubadour“ gezeigt.

Puristen waren gewarnt: „Der Troubadour – oder: Singen können wir auch nicht“, hieß es in der Ankündigung. Beide Aussagen wurden eindrucksvoll erfüllt: Über den Inhalt des Troubadours war man hinterher durchaus im Bilde, über die sängerischen Qualitäten, die sich allerdings nur im „Zigeunerchor“ präsentieren durften, ebenfalls.

Natürlich aber ging es der „Wolfi-Gäng“ nicht um die Vorführung einer Oper mit den eingeschränkten Möglichkeiten einer Realschule. Vielmehr stand offenbar die Überlegung im Vordergrund, wie sich das Engagement von Schulband und Theatergruppe der Realschule zu einer sehenswerten Aufführung bündeln ließe, in der sich dann die Originalität, die sich zwischenzeitlich mit dem Namen „Wolfi-Gäng“ verbindet, widerspiegelt. Eine Oper sollte es diesmal sein, oder besser: eine Antwort auf die Frage, wie sich der mittelalterliche Inhalt einer populären Oper mit spielerischen Mitteln umsetzen ließe – gewissermaßen eine gespielte Inhaltsangabe.

Und siehe da: Wieder einmal haben Wolfgang Sutter und Sylvia Grossmann dem Bühnengeschehen inhaltlich und äußerlich ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt; sie haben das schaurige Geschehen mit wohltuendem Humor aufgelockert, haben das typische Bühnen-Schwarz mit wohldosierten Farbelementen bei Kostüm und Requisite versehen, und sie haben ein paar choreographische Szenen vorbereitet, die durch Witz und Können überzeugten.

Band hält Abstand zur Partitur

Stark wirkten auch die Videoprojektionen, welche nicht nur die einzelnen Akte voneinander trennten, sondern mit bissigem österreichischen Schmäh das sonderliche Geschehen dieser Oper, ja überhaupt ihren Mangel an Dramatik kommentierte. Kein Geringerer als Mozart nämlich meckerte da aus dem Elysium, und sein Missbehagen darüber war unverkennbar, dass hier – in seinem Jubiläumsjahr – ausgerechnet Verdi gegeben wurde: „Bloß Schwulst und nomol Schwulst.“ Ein hübscher und keineswegs überstrapazierter Einfall, dem Referendar Christian Kapfer zu eindrucksvollem Ausdruck verhalf.

Die Schulband unter der Leitung von Anna-Marion Katsikis unterstützte währenddessen einzelne Szenen, indem sie in Filmmusikmanier für die rechte Atmosphäre sorgte und sich wohlweislich in sicherem Abstand zu Verdis Partitur bewegte.

Besonders hervorgehoben werden muss aber einmal mehr das disziplinierte und selbstbewusste Spiel der einzelnen Darsteller von Sutters „Wolfi-Gäng“, denen es vor allem zu danken ist, wenn dieser Troubadour auch für diejenigen beste Unterhaltung und überraschende Momente bot, denen Verdis Oper bisher nur in der Originalfassung vertraut war.