Witz, Jazz und Stepp

LINDAU – Ein ganzer Abend mit E-Piano, Akkordeon und zwei Paar Steppschuhen ? Die Bedenken, ob das einen ganzen Abend lang tragen könnte, waren schon bald zerstreut. Die Jazz-Stepp-Show „tap attack“ bot Abwechslung, Witz und beste Unterhaltung.

Da war man also eingestellt auf die angekündigten Swingklassiker, die mit Bach garniert würden, und war nun gespannt, wie das zusammen mit einem guten Stepptänzer klingen würde. Schnell aber stellte sich heraus, dass Pianist Wolfgang Feucht und sein Rhythmus-Kollege Sebastian Renz sehr wohl wussten, dass ein abendfüllendes Programm noch anderer Zutaten bedurfte, um daraus eine überzeugende Veranstaltung zu machen: heraus kam eine feine Bühnenshow, an der das Publikum im Wasserburger Pfarrheim seinen uneingeschränkten Spaß hatte. Daran hatten durchaus auch die vokalen Qualitäten des Duos ihren Anteil, die gleich zu Beginn bei „All of me“ zum Tragen kamen.

Die beiden Künstler haben es geschickt verstanden, den Verlauf des Abends entlang ihrer eigenen Musikerbiographie zu gestalten. Ob Straßenmusik, Klavierausbildung oder Heirat in England – immer gab es musikalische Bezüge, die umgehend ihren tänzerischen oder spielerischen Niederschlag fanden. Erwartungsgemäß richtete sich die ungeteilte Aufmerksamkeit aber vor allem auf die verblüffend virtuose Bein- und Fußarbeit von Sebastian Renz. Seine komplexen rhythmischen Figuren verband er mit tänzerischer Eleganz und humorvoller Anmut, die offenbar auch beim Ballett geschult wurde. Dabei versagte seine Fantasie weder vor Stücken wie „As time goes bye“, „Take Five“ noch einer Bach-Invention.

Dazwischen gelang es den beiden sogar, das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren, in einem Falle sogar eine junge Frau zum steppbegleiteten Walzertanz zu bewegen. Zwei Höhepunkte aber kristallisierten sich dann innerhalb dieses abwechslungsreichen Programmes doch noch heraus: zum einen die Ausdrucksvielfalt, die Sebastian Renz zu einer Auswahl der Beethoven-Variationen über die Romanze „Une fièvre brûlante“ einfiel, und dann die hinreißende Steppnummer zu den Marschbewegungen schottischer Wachmänner. Sie alle trugen dazu bei, dass am Ende zwei Zugaben erklatscht wurden, die noch einmal den Humor und das Können dieser „Jazz-Stepp-Show“ herausstellten.