LINDAU – Bereits im vergangenen Jahr sorgte der österreichische Komponist und Jazztrompeter Manfred Paul Weinberger für einen Höhepunkt innerhalb des Zeughaus-Programms. In Quartett-Besetzung legte er nun mit einem Konzert nach, das durch ungewöhnliche Klangfarben und kammermusikalische Dichte überzeugte.
Wenn Akkordeon, Bass und Schlagzeug am Werk sind, denkt man nicht gleich an jene Tugenden, die ein Jazzherz höher schlagen lassen. Und in der Tat: „Tannango“, der Titel, mitdem das „quARTet“ von Manfred Paul Werner den Abend eröffnete, ließ zunächst eher eines der inflationär gewordenen Tangoprogramme erwarten als ein spannendes Jazzkonzert. Als dann erstmals der durchdringende Ton der Trompete auf den Plan trat, wirkte der akustische Klangteppich, den die eingangs erwähnten Instrumente so kunstvoll ausbreiteten, beinahe unpassend. Auch „Poetic Textures“ konnte diesen Eindruck noch nicht ganz verwischen, wo sich doch das dezente Schlagzeugspiel von Alfred Vollbauer so feinfühlig mit den zahlreichen Knöpfen des diatonischen Akkordeons von Christian Bakanic und dem Bass Christian Wendts vermischte.
Immer mehr Improvisation
Spätestens dann aber, als Weinberger immer wieder auch den Dämpfer seiner Trompete einsetzte, stellte sich jene Balance ein, die schließlich zum beherrschenden Element dieser reizvoll besetzten Formation wurde. Die Räume für Improvisationen wurden zunehmend größer, und ab jetzt konnten sich auch das swingende Potenzial und die kühnen Soli der Musiker voll entfalten. Insbesondere war das natürlich Manfred Paul Weinberger, der mit seiner phänomenalen Technik und seiner frappanten Improvisationskunst manchen Zwischenapplaus auslöste. Den erhielt allerdings genauso oft sein Akkordeonkollege, der ihm in Sachen Geläufigkeit und spektakulärer Klanggebung in nichts nachstand.
Zwei Texte von Andre Heller und Helmut Qualtinger – z.B. „sitztana und glaubt er is zwa“ – wurden von Weinberger in bestem Wienerisch zitiert und dann musikalisch verarbeitet; gleiches widerfuhr dem Thema von „Wiener Blut“, das die famosen Musiker zu einem abenteuerlichen Ausflug in Free- Jazz-Gefilde nutzten, ehe sich das Konzert schließlich wieder mit „versöhnlichen“ Klängen dem Ende zuneigte.
Vor diesem Hintergrund erwies sich die Programmfolge schließlich doch als sinnvoll und durchdacht. Sie folgte einer musikalischen Dramaturgie, die den Zuhörer behutsam die Atmosphäre, die spannende Klangwelt und die Dichte der Musik aufnehmen und genießen ließ.