Wenn das Publikum kein Zuhause hat

LINDAU – Mit den „Herren Wunderlich“ hat Max Haller, der neue Pächter des Restaurants in der Spielbank, einen weiteren Schritt getan, um seine Räume auch zu einer reizvollen Anlaufstelle für Kleinkunstveranstaltungen zu machen. Weit über hundert Zuschauer haben die professionelle Darbietung in feiner Umgebung genossen.

Schon möglich, das ihr Humor an diesem Abend nicht ganz so schwarz war wie die Westen weiß – doch diese augenzwinkernde Ankündigung der drei frackbekleideten „Herren Wunderlich“ spiegelte den weiteren Programmverlauf ganz gut wider: köstliche Späßchen, die schon mal kalauernd daherkamen, paarten sich mit vokaler Meisterschaft, die zwar leichtfüßig wirkte, aber allein schon deshalb auf eine gründliche Gesangs- beziehungsweise Musikausbildung schließen ließ. Alle drei verfügen dabei über ein gesundes Maß an Selbstironie, wozu nicht zuletzt der Umstand zählt, dass man den Anschein eines kultivierten Umgangs untereinander dadurch unterstrich, dass man sich auf der Bühne mit „Sie“ ansprach.

Viel Ansprache erfuhr auch das Publikum, das sich über manche Schlagfertigkeit, geistreiche Spitzen und bestimmt auch über die „Futterneid“-Äußerungen in Richtung Wirt amüsierte. Der kam auf diese Weise zwar um den Genuss eines ungestörten Abendessens, wird sich aber über die Aufmerksamkeit gefreut haben, die dadurch dem kulinarische Aspekt seiner Tätigkeit zukam, die doch sonst im Mittelpunkt steht.

Evergreens kommen an

An diesem Abend freilich waren es „Die Herren Wunderlich“, denen das Augenmerk des Publikums galt. Das wurde zwar überwiegend von den 30- bis 50-Jährigen repräsentiert, doch freuten sich wohl die meisten da von auf Stücke, die garantiert Jahrzehnte vor ihrer Geburt zu Welterfolgen und dank der „Comedian Harmonists“ auch zu Evergreens wurden. Natürlich werden Nummern wie der „Kleine grüne Kaktus“ oder die „Schöne Isabella aus Kastilien“ mittlerweile von zahllosen Nachahmern als Garantie für Bühnenerfolg und Zuschaueransturm benutzt.

Nicht immer aber gelingt das so unterhaltsam und ungekünstelt wie im Falle dieses A-cappella-Ensembles aus Kufstein. Dies umso mehr, als es mit dem Pianisten und Sänger Josef Hacklinger einen Arrangeur an der Hand hat, dem es offensichtlich gelingt, das meist fünfstimmige Original in ein famoses Männer-Duo beziehungsweise -Terzett zu verwandeln, ohne dabei das Klangbild der Vorlage zu demontieren. Darüber hinaus verdichten sich eine humorvolle Choreographie, witzige Geräuschapparate und die zahllosen begleitenden Gags zu einer Mischung, die in kürzester Zeit den Funken überspringen lässt und zwangsläufig dazu führt, dass die Zuschauer jeden Spaß mitmachen.

Die drei Herren auf der Bühne sind aber Profi genug, um im rechten Augenblick die 30erJahre zu verlassen und genauso ergiebig im Liedgut der 60er zu fischen. In prächtigen Arrangements sorgten sie gegen Ende für Begeisterung und nostalgische Verklärung, brillierten mit Stücken wie „Que Sera“oder „Zwei Kleine Italiener“ und brachten die Leute mit einem Potpourri aus Connie-Francis-Songs zum unbewussten Mitsingen. Dass dann ein hinreißendes Gesangsduell, wo „Akropolis adieu“ und „Weiße Rosen aus Athen“ um die Vorherrschaft kämpften, wenig geeignet war, um diese Veranstaltung zu beenden, war absehbar. Das „hartnäckige Völkchen“ im Foyer der Spielbank ließ die Sänger erst nach fünf Zugaben ziehen, womit die Frage des ersten Tenors „Haben Sie denn kein Zuhause?“ auch beantwortet war.