LINDAU – Am Freitag wird im Stadttheater die Bühnenfassung des Romans „Schule der Arbeitslosen“ aufgeführt. Der Autor, Joachim Zelter, ist vielen Lindauern nicht zuletzt durch seine Auftritte bei der jährlichen „Langen Nacht der Literaten“ bekannt. Für Lindau konnte die Inszenierung aus Hamburg übernommen werden. LZ-Mitarbeiter Winfried Hamann hat mit Joachim Zelter gesprochen.
LZ: Herr Zelter, eigentlich wurde „Schule der Arbeitslosen“ als Roman konzipiert. Haben Sie selbst an eine Bühnenfassung gedacht oder waren Sie überrascht, dass offenbar immer mehr Bühnen Interesse an Ihrem Stück bekunden?
Zelter: Schon die Romanfassung der „Schule der Arbeitslosen“ enthält einige dramatische und dialogische Elemente. Ich selbst war es dann, der das Buch in eine Bühnenfassung umarbeitete. Zu meiner großen Überraschung bekam ich dann Anfragen von Bühnen, die den Roman gelesen hatten und ihrerseits die Idee hatten, den Roman auf die Bühne zu bringen.
LZ: Mit welchem Gefühl und mit welcher Erwartung haben Sie selbst die erste Aufführung dieses Stücks in Hamburg gesehen?
Zelter: Mit großem Lampenfieber. Bei einem Roman oder einer literarischen Lesung hat der Autor alles selbst in der Hand. Bei einer Bühnenproduktion begibt er sich in die Obhut zahlreicher Instanzen: Dramaturgie, Regie, Schauspieler. Als ich die Hamburger Inszenierung dann sah, war ich vor allem von der schauspielerischen Leistung begeistert. Viele Schauspieler (Dietmar Mues, Gustav Peter Wühler, Lisa Politt) kannte ich aus dem Fernsehen, und ich konnte kaum glauben, dass sie nun in einem Stück von mir mitwirken.
LZ: Hat Sie der Erfolg dieses Stücks ermutigt, künftig mehr für die Bühne zu schreiben?
Zelter: Ja, ich habe mittlerweile ein weiteres Stück geschrieben. Es heißt „Alpha Park“ und läuft zur Zeit im Tübinger Zimmertheater. Und ich schreibe an weiteren Stücken. Ich muss gestehen: Ich denke Literatur immer mehr in den Formen des Dramas.
LZ: Das Thema selbst hat einen düsteren Hintergrund, den die Realität selbst liefert. Mit welchen Argumenten würden Sie beispielsweise Schülern Ihr Stück schmackhaft machen?
Zelter: Mit der Aussicht, hervorragende und prominente Schauspieler live auf der Bühne zu erleben. Hinzu kommt der Ton der Inszenierung. Das Thema Schulungscamp für Langzeitarbeitslose ist sicher bedrückend, doch die Inszenierung dieses Themas ist eher leichtfüßig. Sie setzt auf das Absurde, das Komische und Groteske. Manchmal ist es besser, einen latenten Zustand auf den Punkt zu bringen, ihn ins Groteske zu steigern, ihn wegzulachen, als ihn still leidend zu ertragen beziehungsweise zu verschweigen.
LZ: Mit welchem Gefühl sollten die Zuschauer Ihres Stückes aus dem Theater gehen?
Zelter: Mit einem Gefühl der Wut über die Unmenschlichkeit der Behandlung von Arbeitslosen. Wut ist immer noch besser als Angst. Vielleicht auch mit einem Gefühl, die Sprache der Neoliberalen, der Ökonomen, der HartzIV-Adepten dem Lachen preisgegeben zu haben.