NONNENHORN – Mit einem vollen Haus wurde die Schlussveranstaltung „Kunstgenuss 2002“ in Nonnenhorn belohnt. Der Schauspieler Gotthard Sinn bot mit seiner Biolek-Parodie „Aldissimo“ eine Menge Spaß, Unterhaltung und ein abgefahrenes Bio-Menue.
Als Loriot einst seine Grzimek-Parodie über die berühmte Steinlaus gab, waren viele nicht mehr sicher, ob das in Wahrheit vielleicht doch Grzimek gewesen sei. Auf die Frage an Loriot, ob er sich denn so sicher sei, es selbst gewesen zu sein, meinte dieser: „Ich schon – nur Grzimek haben mittlerweile Zweifel befallen.“ Ähnliches konnte einem nun bei „Aldissimo“ passieren, wo Gotthard Sinn dem Original verdächtig nahe kam: Ein guter Teil des Unterhaltungswertes zu Beginn seiner Show dürfte also der Verblüffung zuzurechnen sein, die aus seinem Imitationsvermögen entstand.
Da wurde zunächst geplaudert, Gemeinsamkeiten beschworen und den „Nonnenhörnern“ geschmeichelt, dass es eine wahre Lust war. Schließlich durfte Hedi Probst als Initiatorin des „Kunstgenusses“ selbst als fiktive Urheberin jenes Menüs gelten, vor dem am Ende nicht nur jeder Vegetarier in Deckung gehen würde. Doch bevor es soweit war, wurden alle Zutaten sorgsam zubereitet und vorgestellt: Hartmut, der überdimensionierte Rettich, ein (Roll-)Mops während seiner Endmast, reife Kokosnuss und junger Gouda, Kaninchen-Whiskas und ein Ungetüm von Fleischwurst, die auch Hartgesottene zum Vegetarier konvertieren ließe. Alles, was dazwischen nicht im „Bio-Loch“ versenkt wurde, erfreute sich hinfort der liebevollsten Zuwendung Gotthard Sinns.
Es gehört zu seiner Kunst, dass es ihm auf dem Weg zum Endprodukt, einer bedrohlich dampfenden Vegetarier-Mampfe, gelungen ist, immer wieder Leute aus dem Publikum zum Mithelfen zu bewegen. Von denen ließ sich keiner lumpen. Eine clevere Dame hat dabei sogar einen klugen Weg gefunden, wie die Erwärmung des Gouda-Käses auf Körpertemperatur gelingen kann, ohne einerseits einen etwas lächerlichen Part spielen zu müssen, andererseits auch nicht als Spielverderber dazustehen: ihre plötzlich präsentierte, solarbetriebene „holländische Warmhalteplatte“ hat dabei sowohl das Biolek-Imitat als auch das amüsierte Publikum beeindruckt.
Natürlich wäre eine solche „Alfredissimo“-Parodie nur die Hälfte wert, wenn dazwischen nicht immer wieder ins Allgemeine abgeschweift würde und dabei wohlfeile Sprüche fürs Leben abfielen. Seinen hohen Unterhaltungswert hat das Ganze daher bezogen, dass Gotthard Sinn genau zu dosieren wusste, wie Rezept, Publikumsansprache um die Eigenheiten Alfred Bioleks im Gleichgewicht zu halten sind. Bei all dem blieb die Spannung auch deswegen erhalten, weil bis zum Schluss befürchtet werden musste, dass am Ende jemand das unsägliche Mahl auch probieren müsste. Auch in diesem Sinne darf von einem „glücklichen Ende“ gesprochen werden.