Wenn am Donnerstag die Klassiktage mit Bachs „Brandenburgischen Konzerten“ ihre Fortsetzung finden, dann war das ein idealer Auftakt: diese erste Veranstaltung war gut besucht und musikalisch überzeugend. Überdies erinnerte das begeistert aufgenommene Klavierquintett von Louis Ferdinand von Preussen schmerzlich daran, dass seinem Schicksal die musikalische Karriere wohl besser bekommen wäre als die militärische.
So aber kommt es, dass in der Reihe dieser früh verstorbenen Komponisten ausgerechnet Mozart mit seinen 35 Jahren das „längste“ Leben beschieden war: Chopin, der mit den Variationen über „Reich mir die Hand mein Leben“ zu hören war, wurde nur 32, und Louis Ferdinand ereilte sein Schicksal in den Napoleonischen Kriegen mit 34 bei Saalfeld.
Für den Beginn der Lindauer Klassiktage hatte deren künstlerischer Leiter Dr. Roland Treiber Werke für Klavier und Streichquartett ausgewählt und dabei mit der Pianistin Elizaweta Stepanowa ein glückliches Händchen bewiesen, um den technischen und interpretatorischen Anforderungen dieser drei unterschiedlichen Werke auch gerecht zu werden. Zwar ließ der mächtige Resonanzkörper des Gewölbesaals in Mozarts eigener Fassung des Klavierkonzertes KV 449 für Streichquartett noch nicht allzu viel Differenzierungsmöglichkeiten zu, um die gewohnte Klangwirkung mit seinen instrumentalen Raffinessen zu entfalten; doch traten dann bei Chopin alle Stärken der Solistin und des „Mozartensembles Berlin-Brandenburg“ umso deutlicher hervor: der überlegte und kultivierte Anschlag der Russin korrespondierte hier aufs Schönste mit dem Quartett, das die dynamischen Unterschiede dieses virtuosen und pianistisch dominierten Werkes behutsam und farbenreich zu verstärken wusste. Erstaunlich war dabei die rhythmische Sicherheit, mit denen das Ensemble den abenteuerlichen Läufen des Klaviers stets auf der Spur blieb.
Die eigentliche Entdeckung des zweistündigen Konzertes aber war das c-moll Quintett, das der Neffe Friedrichs des Großen, Louis Ferdinand von Preußen mit etwa 30 Jahren komponiert hat – also fast 20 Jahre vor Schuberts „Forellenquintett.“ Man merkte den Musikern das Engagement an, das sie auf die Einstudierung dieses Werkes verwendet haben müssen. Schon das kräftig punktierte Eingansmotiv mit den nachfolgenden Klavierläufen versprühte Spiellaune, das ländlerartige Menuett mit seinen Vorschlägen verriet beinahe Beethoven’schen Humor. Dass Louis vor allem ein überaus geschätzter Pianist mit großen Fähigkeiten beim Improvisieren war, machte Elizaweta Stepanowa im „Andante con Variazione“ deutlich, ehe schließlich das lebhafte Schlussrondo nochmals genügend spielerischen Raum für alle Beteiligten ließ, denen am Ende spontaner, lang anhaltender Beifall entgegenschlug.