Urlaubslaune im Theater: Wenn Grit Boettcher mit dem Publikum spricht
So läuft das, wenn man Komödiantin ist, Grit Boettcher heißt und um die hohe Akzeptanz von Boulevardstücken in deutschen Landen weiß: man lässt sich ein Stück auf den Leib schreiben und kann sicher sein, dass danach viele Städte ihren Theaterplan um diese unterhaltsame Komödie ergänzen werden. „Willkommen im Club“ war auch in Lindau ein Publikumserfolg.
Das Drehbuchteam Gunther Beth und Barbara Capell ist mittlerweile ein Paar, und – so steht es im Programmheft – es hat sich mit diesem Stück vorgenommen, uns, die Zuschauer, mit „unserer neuen Komödie in Urlaub zu schicken! Dorthin, wo wir alle am liebsten sind – unter der Palme am blauen Meer.“
Da sitzen wir also und verfolgen, wie sich Grit Boettcher durch einzelne Zuschauerreihen zwängt, weil sie damit erst einmal den zu spät gekommenen Flugzeuggast imitiert, dessentwegen alle nochmals aufstehen müssen. Man kennt das ja vom Theater.
Sie hält überhaupt viel Zwiesprache an diesem Abend mit dem Publikum, und jeder merkt, wie gut das die mittlerweile 66-Jährige kann und wie gut das ihr und dem Publikum tut. Gleich drei Stücke, so klärt sie uns dann von der Bühne aus auf, würde man heute Abend zu sehen bekommen. Und da man ja nur für eines bezahlt habe, würde es im Zweifelsfall genügen, wenn uns auch nur eines davon gefiele – schließlich seien die beiden anderen ja umsonst. Der Gag sitzt, und außerdem beruhigt es, gegebenenfalls auf diese Option zurückgreifen zu dürfen.
Die drei Stücke heißen „Paradies – was nun?“, „Die große Schwester“ und „Die Nacht der Rosen.“ Grit Boettcher und Christian Claaszen absolvieren diese drei unterhaltsam-harmlosen Sketche mit Bravour, nehmen es mit dem Unterschied zwischen frechen Witzen, spritzigen Gags und altbekannten Kalauern nicht ernster als notwendig und schaffen auf diese Weise eine gelöste und gut gelaunte Stimmung im Stadttheater. Auch Claus Thull-Emden hat sichtlichen Spaß an der herrlich übertriebenen Darstellung seiner drei unterschiedlichen Rollen und wir Zuschauer quittieren das mit entsprechendem Beifall.
Hin und wieder bringen die Autoren ein paar nachdenkliche Momente mit ins Spiel und bremsen die vergnügliche Mallorca-Reise für ein paar Minuten aus; doch bald besinnen sich alle Beteiligten auf das eigentliche Anliegen eines solchen leichten Theaterabends und tun das, was im bereits erwähnten Programmheft wie folgt beschrieben ist: „Wir möchten Ihnen die Sorgenfalten aus dem Gesicht bügeln und Sie ‚in die Leichtigkeit des Sein’ entführen.“ Bei den meisten scheint das vorzüglich zu klappen, denn am Ende ist die Stimmung so gut, dass viele sogar bereit sind, der Bitte von Grit Boettcher, doch mal im Takt zu klatschen nachkommen. Dergleichen ist bei Shakespeare und Max Frisch in den nächsten Monaten freilich nicht zu erwarten.