Sommernachtstraum (Shakespeare)

Überzeugendes Saisonfinale mit der „Neuen Schaubühne München“

Mit einer hinreißenden „Sommernachtstraum“-lnszenierung ist die offizielle Theatersaison in Lindau zu Ende gegangen. Ohne schillernde Namen, jedoch mit einem homogenen Team hat die „Neue Schaubühne München“ vorgemacht, wie ein Komödienklassiker Jung und Alt zu begeistern vermag.

Eine schräge Spielebene, schwarze Vorhänge und in der hinteren Bühnenmitte ein beleuchtetes Rechteck: damit sollte Shakespeares „Sommernachtstraum“ funktionieren? Es hat funktioniert – und wie! Regisseur Jochen Schölch hat ganz auf genaue Personenführung, wohl dosierte Regieeinfälle und exzellenten Licht- und Musikeinsatz gesetzt, um seine Vorstellungen umzusetzen. Fast der Hälfte seiner Schauspieltruppe hat er zwei Rollen zugetraut und die blühte ob der Gegensätzlichkeit ihrer Aufgaben förmlich auf: Hier etwa Stephan Lewetz, der den Puk ebenso koboldhaft, listenreich und exzentrisch darzustellen wusste wie er den Philostrat in einen stocksteifen und hörigen Diener verwandelt hat; oder dort Joachim Bauer, der als Athener Egeus ebenso überzeugend streng und dickköpfig daher kam wie er als Laienspielleiter Squenz plötzlich trottelig und hilflos wirkte.

Auf der anderen Spielebene die beiden rivalisierenden Freundinnen Hermia und Helena: Alexandra Surer und Katja Brenner machten ihrem Liebeskonflikt, ihrer Eifersucht und ihrer Wut aufeinander so gründlich und zugleich glaubhaft Luft, dass man die 400 Jahre alte Textvorlage ob ihrer zeitgemäßen Umsetzung glatt vergessen konnte. Armin Schlagwein (Demetrius) und Konstantin Moreth (Lysander) hielten den Umstand, dass man sich auf einer Theaterbühne befand, noch am ehesten im Bewusstsein, doch katapultierten auch sie einzelne Szenen (hier der plötzliche, „eingeträufelte“ Hass auf Hermia, dort das leidenschaftliche Verlangen nach Helena) in jene Bereiche, an die man sich gerade bei Inszenierungsvergleichen gerne erinnert.

Ein wahres Energiebündel in dieser temporeichen Aufführung war Markus Fennert, der die Paraderolle des Zettels hingebungsvoll und draufgängerisch, bei aller Derbheit aber auch differenziert und pointensicher auf die Bühne zauberte. Seine Darstellung kann stellvertretend für den Ideenreichtum und – bei allem Gespür für den Humor und die Tiefgründigkeit von Shakespeares Meisterwerk – die Ernsthaftigkeit dieser so schlüssigen Inszenierung gelten.

Was an Bühnenausstattung zunächst wie ein Verzicht wirkte, schlug sich umso praller und fantasievoller in den Kostümen nieder. Die dafür zuständige Andrea Fisser hat Regievorgabe, Bühnenbild und ihren eigenen Beitrag vorbildlich in Einklang zueinander gebracht. Die ängstliche Erwartung jedenfalls, mit einem überzeugenden Saisonfinale in die Sommerpause zu gehen, hat sich mit dieser Aufführung auf begeisternde Weise erfüllt.