Überdurchschnittliches Spiel eines jungen Künstlers

LINDAU – Es stimmt hoffnungsvoll, wenn die kulturelle Vielfalt einer Stadt auch von gewichtigen Beiträgen seitens der Schulen ergänzt, gelegentlich auch bereichert wird. Auf großes Interesse seitens der musikinteressierten Öffentlichkeit stieß jetzt der Klavierabend mit Patrick Katzmann, der den Erfolg der Reihe „Forum Bodensee-Gymnasium“ eindrucksvoll fortsetzte.

Ein 27. Geburtstag lässt sich gewiss auch anders begehen. Doch statt sich mit einem Ständchen feiern zu lassen, hat Patrick Katzmann seine Gäste zu einem anspruchsvollen Klavierabend geladen. Man wird ihm auch dazu gratulieren müssen.

Wenn es 1993 die Lehrer am Bodensee-Gymnasium gewesen sein sollten, die ihm das Abitur schwer gemacht haben, so hat er diesmal den enormen Schwierigkeitsgrad seines Programms selbst bestimmt: Gleich drei „Highlights“ der Klavierliteratur fanden sich darunter, und über keines ist Patrick Katzmann gestolpert. An den Anfang hat er Chopins b-moll-Scherzo gesetzt: den düster-vorwärts drängenden Charakter des Werkes hat er dabei stark betont und vor allem auf die Wirkung der kraftvollen Passagen vertraut. Die Lyrik des A-Dur-Teiles in der Mitte, seine meditativen Anteile sind dabei vielleicht ein wenig in deren Schatten geraten – ein Eindruck, für den aber auch das übermäßige Knarren des zuerst benutzten Klavierstuhles verantwortlich gewesen sein könnte.

Katzmanns enorme rhythmische Sicherheit und Unabhängigkeit beider Hände war in Debussys „Etude pour les degres chromatiques“ zu bewundern, und jetzt – vor Beethovens später As-Dur-Sonate –  hat sich auch ein einsichtiger und couragierter Klavierkollege erbarmt und für die Auswechslung des Stuhles gesorgt. Hier nun ging der Pianist zusehends in der schlicht anmutenden, dabei monumentalen Struktur der Sonate auf und gewährte schöne Einblicke auf sein Interpretationspotential und seinen Gestaltungswillen. Das Zupackende im kurzen „Allegro molto“ wirkt kontrolliert, das vorbereitende Adagio zur abschließenden Fuge innig und wie ein letztes Kräftesammeln vor dem nahenden Verschleiß. Auch wenn dann noch Ravel und Samuel Barber mit zwei fesselnden Stücken zu hören waren, gar Katzmann selbst mit hochinspirierten Jazzimprovisationen über einen Gospelsong – als spielerischer und musikalischer Höhepunkt durfte wohl Bachs „Chromatische Fantasie und Fuge d-moll“ gelten. In dieser Komposition, die in ihren spielerischen Anforderungen weit über das hinausgeht, was selbst von ordentlich begabten Pianisten zu erwarten wäre, hat Katzmann noch einmal alles gezeigt, wozu er imstande ist: einerseits zum musikalisch verantwortlichen Umgang in den Teilen, die zur Gestaltungsfreiheit einladen, aber auch dazu, die komplexen chromatischen Vorgänge samt Fuge so durchsichtig und raffiniert darzustellen, dass daraus ein spannender Vortrag wird. Beide Voraussetzungen zu erfüllen, scheint sein handwerkliches Können alle Voraussetzungen zu besitzen.

Der begeisterte Schlussapplaus galt denn auch einem jungen Künstler, der gleichermaßen durch sein überdurchschnittliches Spiel als auch sein sympathisches Auftreten zu gewinnen wusste.