Avanti Avanti (Samuel Taylor)

Turbulentes Theater um zwei Tote

Wenn über 500 Leute „Avanti Avanti“ sehen wollen, dann darf sich der Lindauer Schauspieler Peter Bamler wahrscheinlich einen Teil davon zugute schreiben lassen. Sein agiles Spiel und das seiner Mitstreiter werden dabei wohl länger im Gedächtnis haften bleiben als der etwas bemühte Inhalt der Komödie.

Turbulent ging es zu. Und eines war der Schauspieltruppe von Beginn an anzumerken: ihre Entschlossenheit, jedes komödiantische Element mimisch hochzupeppeln und anhand herzhafter Übertreibungen gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, man befände sich noch auf der Suche nach einem tieferen Sinn.

Einblick in die italienische Seele

Damit schien sich auch der Regisseur zufrieden zu geben, und so lassen wir geduldig manch Vorurteil an uns vorüberziehen, lernen, was Diplomaten auf die Nerven fällt, nehmen tiefen Einblick in die italienische Seele und erwarten vergeblich Pantaleones ultimative Hymne auf die heiß beschworenen Brüste der Alison Ames, die Dominique Lorenz schön hervorzuheben wusste.

Pascal Breuer gibt diesen italienischen Luftikus quirlig, listig und von ganzem Herzen oberflächlich. Auch Rudolf Otahal in seiner Doppelrolle als Botschafter und Filmemacher schaut man amüsiert zu und bewundert seinen großen schauspielerischen Aufwand an dieser harmlosen Vorlage.

Als erfrischende Abwechslung bewährt sich Nazzareno Putzolu, der mit seinen beiden kleinen Rollen – Kellner und Diener – und seinem noch kleineren Körper Blicke und Sympathien auf sich zieht. Ansonsten gibt es an Wortspielereien, beleuchtungstechnischen Gags und nettem Bühnenzauber genügend, um den Abend unterhaltsam über die Runden zu bringen.

Schöne Liebesgeschichte

Doch inmitten gefälliger, rückstandslos konsumierbarer Albernheiten haben Peter Bamler und Dominique Lorenz eine schöne Liebesgeschichte gesetzt, die in ihrem Verlauf gar nicht so abwegig ist wie der Rest der Geschichte (Mann und Frau verunglücken tödlich bei einem ihrer regelmäßigen und geheimen Treffen, ihre sterblichen Überreste werden jeweils vom Sohn bzw. der Tochter in Rom gesucht und erst nach Mühen gefunden, und bei dieser Gelegenheit verlieben die sich).

Das ganze seelische und hormonelle Wechselspiel steigern die beiden zu glaubwürdiger Anschaulichkeit, bis man sich irgendwann tatsächlich bei dem Gedanken erwischt, Ben Claiborn alias Peter Bamler möge nun endlich seine überspannte Gattin – glänzend besetzt mit Ursula Gottwald – fahren lassen und sich künftig nur noch mit der weit unkomplizierteren und natürlichen Alison Ames amüsieren.

Freude und Erleichterung

Die weiß ihre sinnlichen und körperlichen Gaben auch gekonnt einzusetzen und setzt Ben Claiborns moralische Bedenken schließlich außer Kraft. Nachdem also auch dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, überträgt sich das Gemisch aus Freude und Erleichterung darüber nahtlos auf den Umstand, dass damit auch der Vorhang für das Stück fällt.