LINDAU – Manches Instrument leidet unter der etwas halligen Akustik des Gewölbesaales, andere hingehen scheinen dort regelrecht aufzublühen. Zu ihnen gehört die Gitarre, an der nun der renommierte und international tätige Michael Tröster demonstrierte, wie packend und abwechslungsreich ein Soloabend mit diesem Instrument sein kann.
Im Vergleich zu Sängern, Pianisten oder Geigern haben es klassische Gitarristen schwer, eine ähnliche Berühmtheit zu erlangen wie das etwa Andres Segovia oder Julian Bream gelungen ist. Dies mag auch deshalb erstaunen, weil es doch ein gewaltiges und anspruchsvolles Repertoire dafür gibt und eine Unzahl von Bearbeitungen, die manchmal sogar bekannter sind als das Original. Andererseits weiß man bei Namen wie Sor, Carulli, Brouwer oder Rodrigo oft gar nicht, ob diese Komponisten auch noch für andere Instrumente geschrieben haben.
Mit der Verpflichtung von Michael Tröster ist es der Musikschule jetzt gelungen, nicht nur einen weltweit konzertierenden und unterrichtenden Meister dieses Fachs zu verpflichten, sondern ihn auch mit einigen ihrer Gitarrenschüler zusammenzubringen.
Im Gewölbesaal wurde den Zuhörern dann schnell klar, wo der Unterschied zwischen den vielen Könnern und den wirklichen Meistern liegt. Im Falle von Michael Tröster kam noch hinzu, dass es ihm charmant und locker gelang, dem Publikum seine profunden Kenntnisse über die jeweiligen Stücke näherzubringen. Darüber hinaus vermittelte er einen Einblick in die Welt der Gitarrenmusik. Zu ihnen zählen Dionisio Aguado und Fernando Sor. Mit einem Fandango des Ersteren und den berühmten Mozart-Variationen von Sor hob also ein Konzertabend an, der an Abwechslung, überragender Technik und verblüffenden Klangbildern kaum zu überbieten war. Mit Rodrigos „Sonata giocosa“ drang Tröster dabei in Sphären vor, die wohl vielen Gitarristen verschlossen bleibt, und in der „Suite Espagnole“ von Isaak Albeniz ließ er eine Atmosphäre entstehen, bei der man fast die sommerliche Hitze spüren konnte. Dass der Ausnahmekünstler auch imstande ist, Spektakuläres für sein Instrument zu schreiben, hat er mit zwei Kompositionen aus eigener Feder bewiesen. Im „Prelude Nr. 1“ zitiert er dabei immer wieder „Maria“ aus Bernsteins „West Side Story.“