LINDAU – Frauen dominieren derzeit das Zeughaus-Programm, gleich zwei „Traumfraun“ gab es am Donnerstag. Zwar verzögerte der Ausfall eines Verstärkers den Start um 40 Minuten – doch für den voll besetzten Saal hat sich die Geduld wahrlich gelohnt.
Vielleicht kommt das ja häufiger vor, als man denkt: Eine frustrierte Frau verlässt Mann und Kind, und als erste Anlaufstelle dient die Wohnung der Freundin – Single, versteht sich. Dumm nur, dass es Nacht ist und Celestine, die Auserwählte, vor deren Bett sie nun steht, schläft. Hanni, so heißt die Davongelaufene, steht also wieder in einem Raum, der nicht aufgeräumt ist und wo ihr niemand zuhört.
Diese Eingangsszene, in der die bebrillte Claudia Lau auf die blonde, schlafende Elke Hermann – beide aus Waltenhofen – trifft, hat echtes Kabarettformat, und nichts weniger sollte das nun folgende Zweistundenprogramm auch bescheren. Denn Hanni, die ihre Familie wieder einmal kurzfristig verlassen hat, um diesen Zwischenstopp bei Celestine einzulegen, will natürlich keinen Rat von ihrer Freundin. Man möchte einfach mit jemanden reden, und wer könnte das besser als Frauen, die sich kennen. Im Falle der gesehenen „Traumfraun“ muss es aber unbedingt heißen: Frauen, die das können.
Denn die beiden Allgäuer Kabarettistinnen spielen aus dem Leben von Hanni und Celestine, in dem es natürlich nichts gibt, was Ähnlichkeit mit dem des anderen hätte: hier die familiengestresste, überdies ein wenig zwanghafte Mutter und Ehefrau, dort der etwas einsame, dafür umso erleuchtetere Single Celestine, die ihr Leben zwischen Bachblüten, Fitnesswahn und ein paar Männergeschichten einzurichten versucht – jemand, der in dieser Hinsicht lieber auf „Bed“ (Bett) setzt, während Hanni weiß, dass Männer eben beides wollen: „Bed and Breakfast“ (Bett und Frühstück). Ein Gespräch also auf der bekannten Suche nach dem Mittelweg zwischen Ehefrust und Liebeslust.
Sie treffen den richtigen Ton
Dieser Weg ist gespickt mit herrlicher Situationskomik, überaus geistreichen Momenten und einem mimischen Feuerwerk, für das vor allem Claudia Lau zuständig ist. Gekonnt wird das Publikum eingebunden, und gegenüber den „ausgewählten“ Männern im Saal treffen sie genau den richtigenTon zwischen Charme und Provokation. Furcht- und hemmungslos reden sie Tacheles und nehmen manches auf die Schippe, was oft gerne an Alltäglichem ausgeklammert wird: Die Zuschauer hören Klospülung und Schnarchen, und lauschen fasziniert den Zusammenhängen, die sich die beiden zur wundersamen Reliefbildung weiblicher Oberschenkel namens Zellulitis und dem gleichzeitigen Wachsen von Kindern ausgedacht haben.
Daneben gab’s noch ein paar bekannte Lieder, bei denen man schon bald nicht mehr wusste, ob man nun mehr über die veränderten Texte oder aber Claudia Laus hinreißende Kommentare dazu lachen sollte.
„Jetzt erst recht“ – so der Name des Programms – ist ein starkes Frauenstück, bestes Kabarett und wunderbare Unterhaltung. Für all das gab es am Ende begeisterten Applaus.