The Voice – Der Aufstieg des Frank Sinatra (Matthias Christian Kosel)

Toll gesungene Musik mit hübschem Theater garniert

Das also war der Saisonauftakt. „The Voice – Der Aufstieg des Frank Sinatra.“ Im Untertitel ist ein Stück mit Musik angekündigt. Leslie Bisno singt diese so überzeugend, dass man darüber den anderen, leider wahr gewordenen Hinweis, es handele sich dabei um „nichts anderes als eine Beschreibung von Lebenssituationen“, glatt verschmerzen kann. Denn tatsächlich ging es um Musik – hervorragend gemachte Musik! -, die durch ein paar hübsche Szenen fürs Theater legitimiert wurde.

Wahrscheinlich hat diese Frage anfangs die meisten beschäftigt: „Singt er oder täuscht er nur so gut?“ Nun, er hat gesungen, und nimmt man noch die hervorragende „Blue Eyes Swing Band“ hinzu, so sind die wichtigsten Gründe, weshalb sich ein Besuch des ersten Saisonstückes doch gelohnt hat, bereits benannt. Freilich ist der Sänger Sinatra nicht jedermanns Sache und guten Jazz gibts auch anderswo. So gesehen, darf man mit dem eher durchschnittlichen Besuch im Stadttheater durchaus zufrieden sein, und der klassische Theaterfreund wird seinen Bedarf nach schauspielerischen Glanztaten aufs nächste Mal verschieben.

Gleichwohl sei zunächst von Matthias Christian Kosel die Rede. Er hat nicht nur die Band geleitet und die Inszenierung einstudiert – von ihm stammt auch die Idee und die Ausführung dieses biographischen Stückes. Man merkt ihm die Erfahrung und die Vertrautheit mit derlei Sujets an, und beidem ist es wohl zu verdanken, wenn er sich dabei nicht zum Wettbewerb auf dramaturgischem, gar literarischem Felde verstiegen hat. „The Voice“ ist eine solide Arbeit, die verschiedene Stationen des amerikanischen Sängers und Entertainers zu einer Art Musical verarbeitet hat. Da werden kein raffinierter Aufbau oder psychologische Finessen angesteuert, sondern in korrekter Abfolge das wahrlich vielfältige Leben dieser Künstlerpersönlichkeit vorgeführt.

Es hängt also von der Besetzung der Titelrolle ab, wenn das Stück über zweieinhalb Stunden tragen soll. Und da hat die „Komödie im Bayerischen Hof“ mit dem Amerikaner Leslie Bisno einen wahren Glücksgriff getan. Der Schauspieler und Sänger ist dem unverwechselbaren Timbre Frank Sinatras so nahe gekommen, dass es eine Weile lang tatsächlich nicht klar war, ob da nun ein Band lief oder ob er wirklich selbst gesungen hat. Mit einem Charme, der vielleicht nicht ganz so herb war wie man ihn vom Original kennt, sowie dem bekannt lässigen Gestus hat Leslie Bisno sich schon bald in die Herzen des Publikums gesungen. Vom frühen „The Lady is a tramp“ bis zu „My Way“ reichte das Repertoire und die derzeit bange Frage, wie er es wohl mit „New York, New York“ hält, hat er mit einem glaubhaften, handverlesenen Statement aufgenommen und danach musikalisch souverän beantwortet. Die vielen Nebenrollen haben sich sieben andere, stimmlich und gesanglich auf hohem Niveau befindliche Schauspieler aufgeteilt. Die Anforderungen an sie waren zumindest schauspielerisch leicht lösbar und entsprechend routiniert haben sie ihre Aufgaben auch gelöst.

Mit dem Lindauer Auftritt ist diese Produktion des Tourneetheaters „Komödie im Bayerischen Hof“ zu Ende gegangen. Als gleichsam musikalische Ouvertüre für die hiesige Saison hat sie allerdings noch keine Hinweise darauf gegeben, wohin die Reise beim Sprechtheater geht.