Tiefere Bedeutung nicht ausgeschlossen

LINDAU – Es gibt sie noch, die politischen Kabarettisten. Am Mittwoch kam einer davon ins Lindauer Stadttheater: Matthias Deutschmann. Der allerdings war erst einmal überwältigt von Lindau und dem schönen Wetter. Seine Einschätzung: „Fundamentalisten und Terroristen macht das hier richtig schlechte Laune.“

Überhaupt der Terrorismus: sechs Tage nach Madrid war das natürlich auch für Deutschmann ein Thema, an dem er sich nicht vorbeimogeln wollte; und von dort war es dann auch kein weiter Sprung mehr zum 11. September und George Bush. Keine Frage: für letzteren gelte es jetzt, die Gefangennahme Bin Ladens mit den November-Wahlen zu koordinieren. Wenn jetzt allerdings noch herauskäme, dass es im Irak am Ende auch kein Öl gäbe…

So vordergründig allerdings kamen die Pointen und Schlussfolgerungen des stimmgewaltigen Kabarettisten nicht immer daher: meist tat man gut daran, der Wahl seiner Worte noch ein wenig nachzuspüren – und schon begriff man die tiefere Bedeutung, wenn jemand etwa die DDR nur „flüchtig“ kannte.

Es spricht für Deutschmanns Verständnis politischen Kabaretts, wenn er sein Programm „Streng vertraulich“ mit tagesaktuellen Beobachtungen anreichert. Zum Beispiel, wenn er bemerkt, dass mit Haiders Wieder-Erstarken sich doch endlich wieder einmal ein Österreicher in die internationale Politik einmischt – dass er hierfür in Mimik und Ton plötzlich einem Hitler-Klon glich, hat diese Aussage schaurig untermalt.

Ökologische Katastrophe

Genüsslich hat er in der Parteienlandschaft herumgestochert und dabei auch an Leute wie Scharping erinnert, durch dessen Abgang einfach zehn Minuten im Programm fehlen, die auch Angela Merkel nicht wettmachen kann; süffisant hat er sich die Grünen vorgenommen: „Gott sei Dank haben die keine Ahnung von Kultur!“ – sonst hätten sie festgestellt, dass sein wunderbar gespieltes Cello „Made in Hongkong“ holztechnisch eine „ökologische Katastrophe“ sei. Auch die Kirche, und hier insbesondere der protestantischeTeil (die „Spalt-Christen“), hat ihr Fett abbekommen: wenn schon, dann würde er wohl die katholische Hölle vorziehen, da die evangelische vermutlich nicht geheizt sei; „Blasphemie liegt in der Luft“, so Deutschmann, „doch wir sind ja tolerant bis zur Bewegungslosigkeit.“

Auf besagtem Cello hat er am Ende das „GEMA-Radar“ unterflogen und ein Beatles-Stück wunderbar verfälscht („ich kann Ihnen das Stück nur hochgradig chiffriert anbieten“). „Wollen Sie noch was sagen?“ stimmte dann auf den Abschied ein.