Sympathische Brandstifter mit bewährter Methode
Wann immer „Biedermann und die Brandstifter“ im Theaterangebot auftauchen, darf mit einer hohen Schülerquote gerechnet werden. So war das auch bei der Inszenierung von Manfred Greve, die ihre hellsten Funken aus der trefflichen Rollenbesetzung schlug.
Was hat dieses „Lehrstück ohne Lehre“ an Deutungen, Bearbeitungen und Kommentaren schon über sich ergehen lassen müssen! Mit seiner einfachen, leider immer noch zutreffenden Aussage gehört es schon lange zum Standardrepertoire des Deutschunterrichtes und wird darüber hinaus gerne als Beispiel für die Alltagstauglichkeit des Theaters angeführt.
Auch das großformatige Programmheft begründet ausführlich den Entschluss, weshalb dieses Stück wieder ins Repertoire der „Theater Greve GmbH“ aufgenommen wurde; und es ist nicht die schlechteste Begründung, wenn sie das Theater als einen „Ort gegen Wahrnehmungsverluste des Menschen“ bezeichnet.
Gewiss gehören die drei Protagonisten des Stückes – Gottlieb Biedermann und die beiden Brandstifter Schmitz und Eisenring – zu den besonders dankbaren und facettenreichen Theaterrollen. Edgar Bessen verleiht seinem „Biedermann“ durchaus sympathische Züge, läßt sich schmeicheln und menschlich groß reden, wechselt gekonnt zwischen unfassbarer Naivität und kalter Großmannssucht: ein Verführbarer, ein Verdränger – ein Dummkopf. „Ich habe ihn selbst gefragt, ob er ein Brandstifter sei“, erklärt er sein großzügiges Verhalten gegenüber dem verdächtigen Eindringling.
Daneben agiert erfolglos sein Dienstmädchen Anna (mit konsequenter Darstellung: Sarah Frankfurt), die von Beginn an durchblickt, außerdem Babette, seine Frau (leicht überzogen: Gabriele Weng), die dafür länger braucht, aber nichts zu melden hat.
Zu einer Prachtrolle gestaltet Udo Thomer den Ringer Schmitz („Schmitz, schmatze nicht“). Verschlagen, einnehmend und mit bedrohlichem Charme liefert er Biedermann einem Wechselbad unterschiedlichster Eindrücke aus. Auch Reinhard von Hacht weiß den gefängniserfahrenen Kellner Eisenring zu einem branderfahrenen Partner aufzurüsten. Seine Absicht, Biedermanns Haus am Ende anzuzünden, verbindet er mit ungehemmter Lust, gleichzeitig auch noch dessen Standesdünkel zu karikieren.
Doch selbst als es schon diese Zwei sind, „die Argwohn erwecken“, steuert die Handlung ihrem flammenden Ende entgegen. Hier bedient sich die Inszenierung relativ feister Elemente, dieses Finale fühlbar zu machen, doch passt sie sich dabei durchaus den zuvor gewählten Mitteln an.
Die Absicht, das voraussehbare Unheil anschaulich zu machen, gelingt jedenfalls, und sie verfehlt dabei keineswegs ihre theatralische Wirkung „Biedermann und die Brandstifter“ haben auch 44 Jahre nach der Uraufführung ihre beklemmende, von Max Frisch unterhaltsam verkleidete Zeitlosigkeit bewiesen.