LINDAU – Gastierte im vergangenen Sommer noch ein gemischter akademischer Chor aus Moskau, so wurde jetzt das Passionskonzert von einem reinen Männerchor gestaltet. Erneut zeigte sich die ungebrochene Anziehungskraft russisch-orthodoxer Gesänge.
Victor Popow, dem Leiter des „Männerchores der Chorakademie Moskau“ ist es mit einem stimmigen Programm gelungen, die tiefe Religiosität, aber auch die unmittelbare Wirkung russischer Musik erfahrbar zu machen. Nur 13 Sänger waren es, die mit ungeheurem Ausdrucksreichtum, stimmlicher Kraft und großer Ausdauer faszinierten. Ein ums andere Mal machte sich ungläubiges Staunen breit, wenn eine runde Bassstimme in Tiefen hinab glitt, die man so nur von Russland zu kennen meint; verblüffend war aber auch, wenn im Tenor Strahlkraft und ergreifende Gestaltung wie selbstverständlich zusammen fanden.
Meist begannen die zwölf angekündigten Werke ernst und mit unspektakulärem Aufbau. Dabei überwogen die Namen von Bortnjanskij und Tschesnokov, die diese Gattung mit besonders vielen Kompositionen bedacht hatten. Immer wieder aber geschah es dann, dass die jeweiligen Solisten vom rhythmusgebenden Chor angetrieben und gemeinsam in ein harmonisches Geflecht getrieben wurden, das packend und komplex war, jedoch nie von Intonationsschwächen getrübt wurde. Das sängerische Niveau und die Disziplin bestachen in jedem Augenblick und das scheint wohl ein Ergebnis der harten Arbeit und der geforderten Disziplin Victor Popows zu sein. Der ließ es sich am Ende dank des großen Applauses gleich zu mehreren Zugaben hinreißen, die nun überwiegend dem folkloristischen und populären Bereich zuzuordnen waren. Dem großartigen Gesamteindruck und der atmosphärischen Dichte dieses Konzertes indes tat das keinen Abbruch.