Kann Stephen Kings „Dolores“ auch auf der Bühne bestehen?
So ganz hat Regisseur Ezard Haußmann den spielerischen Kräften offenbar nicht vertraut, um den Zuschauern wenigstens einen Teil des Schreckens einzujagen, den man bei Stephen King erwartet. Und so mühten sich Elemente aus Blut, einer Vielzahl von Szenenwechseln sowie allerlei Musik- und Geräuscheffekten um den Nachweis, dass „Dolores“ auch auf einer Bühne bestehen kann.
Spannung gab’s, zudem ein Thema mit gesellschaftlicher Brisanz, und auch die Schauspieler konnten sich sehen lassen. Die beiden Morde, die man „Dolores“ anhängen wollte, reduzierten sich auf einen, und schließlich hatte auch Ermittler Garret ein Herz mit der geplagten Frau, die den sexuellen Missbrauch ihres alkoholabhängigen Mannes an der gemeinsamen Tochter Selena dadurch beendete, dass sie ihn umgebracht hat.
Und doch hat sich hinterher jenes Gefühl eingeschlichen, das man von einem nur bedingt befriedigenden Theaterabend kennt. Was war geschehen? Das ziemlich lieb- und fantasielos wirkende Bühnenbild trug sicherlich seinen Anteil dazu bei; daran konnte auch die pfiffige Mehrzwecktreppe nicht ganz hinwegtrösten, die sich später zu jenem Brunnen umbauen ließ, in dem Joe St. George qualvoll enden sollte. Irritierend – weil allzu sehr den Gesetzmäßigkeiten des Filmes verpflichtet – waren die ständigen Szenenwechsel und Rückblenden, die Ezard Haußmann nicht nur als souveränen Ermittler agieren ließen, sondern gleichzeitig auch als prominenten Kulissenschieber. Gila von Weitershausen glänzte erwartungsgemäß in ihrer schicksalsverhangenen Titelrolle, schien aber bisweilen wie angetrieben vom ständigen Wechsel, der einer vollen Entfaltung dieses Charakters wohl im Wege stand. Fies und widerlich durfte sich diesmal Martin Olbertz als Vater Joe aufführen, der den alkoholabhängigen, gewaltbereiten Tochterverführer überzeugend dargestellt hat. Wie es mit dieser Tochter soweit kommen konnte, hat Emese Fáy auf anrührende Weise glaubhaft gemacht; und auch Cornelia Bernoulli hat irgendwann die schauspielerische Lösung zwischen allzu überzogener Zwanghaftigkeit und vordergründigem Standesdünkel gefunden, die nicht nur nach künstlerischem Manierismus schmeckten. Vielleicht litt ja die ganze Aufführung ein wenig unter der offenkundigen Schwierigkeit, die zeitversetzten Rückblenden und Verhöre allein durch veränderten Stimmeneinsatz und braven Lichtwechsel gegeneinander abzusetzen: der Eindruck des bemüht Künstlichen war hier meist stärker als der Reiz einer neuen Situation. So ist der Entschluss, auch Autoren wie Stephen King auf die Bühne zu bringen, zwar begrüßenswert – eine rundum überzeugende Adaption war die gesehene Inszenierung allerdings nicht.