Starke Akzente

LINDAU – Nun also darf wieder gegen die natürlichen Kulturfeinde Lindaus angekämpft werden: schönes Wetter und eine gelegentliche Häufung interessanter Termine. Zumindest einen halben Sieg durfte nun das Rosenfeld-Trio im Festsaal des Hotels Bad Schachen einfahren, auch wenn in diesem Fall sogar noch das überdurchschnittlich hohe Niveau der Eintrittspreise überwunden werden musste.

Zunächst aber wurde eine Besetzungsänderung vermeldet, und die bezog sich auf die Geige, die an diesem Abend von Gabriel Adorjan übernommen wurde. Das hatte auch zur Folge, dass das zunächst geplante zeitgenössische Werk nunmehr durch Schuberts „Notturno“ op. 148 ersetzt wurde. Der wehmütige und leidenschaftliche Schmelz dieses Stückes, durch das Rosenfeld-Trio voller Inbrunst vorgetragen, wird vielen Zuhörern ein willkommener Ersatz für P. Ben Haims Variationen gewesen sein. Doch wurde man gleichzeitig auch um eine der wenigen Möglichkeiten der Begegnung mit einem Stück dieses Jahrhunderts gebracht.

Am Beginn allerdings stand Beethovens „Gassenhauer-Trio“, diesmal nicht in der Fassung für Klarinette, sondern für Violine, Violoncello und Klavier. Auch wenn man sich bei der spannenden Interpretation des Schlussstückes – dem 2. Klaviertrio von Mendelssohn-Bartholdy – daran gewöhnt hatte, so fiel zunächst der überaus direkte, auf Unmittelbarkeit und starke Akzente setzende Klang des Rosenfeld-Trios auf. Gegen die akustische Übermacht des Flügels hatte es vor allem die Violine schwer, und so wurde das ungemein sichere Spiel des Trios ein ums andere Mal daran gehindert, kammermusikalische Intimität aufkommen zu lassen. Die aber blitzte immer dann auf, wenn sich der warme und satte Ton des Violoncellos im Festsaal verströmte. Aber auch im Duo mit der Violine – etwa im Adagio bei Beethoven – wurde die Klasse dieses Trios hörbar. Das Scherzo im zweiten Mendelssohn-Trio nahmen die drei Künstler in atemberaubendem Tempo, wahrten dabei mühelos den gespenstischen, federnden Charakter dieses Satzes und erfüllten seine dynamischen Vorgaben vorbildlich.

Auch die Einarbeitung des Bach-Chorales „Vor Deinen Thron tret‘ ich hiermit“ im Schlusssatz geschah prägnant, entwickelte großartige Klangpracht, erlag jedoch nie der Gefahr einer plakativen Darstellung. So hat es zwar eine Weile gedauert, bis sich die musikalische Unbedingtheit wie im Falle des Mendelssohn-Trios eingestellt hat, die aber war dann umso überzeugender. Mit dem Andante seines ersten Klaviertrios bedankte sich das Trio für den ausgiebigen Applaus.