Spritzig und sympathisch
Das haben wir uns doch gleich gedacht: „Frauen sind stark.“ Unter diesem Titel hat das Nordtour-Theater Horst Pillaus Lustspiel auf die Bühne gebracht und dabei streng darauf geachtet, den bösen Männern eins auszuwischen.
Nicht einmal zwei Stunden hat es gedauert, um die freche, aber clevere Göre Sandra Sielaff vom Sekretariatsstuhl auf den Chefsessel zu hieven. Im Zehnminuten-Takt schafft es Annette Mayer, Aussehen, Kleidung und Auftreten den jeweiligen Stufen anzupassen, die auf der Karriereleiter zu nehmen sind, um endlich den Nachweis zu erbringen, dass man auch im eleganten Kostüm die Hosen anhaben kann. Ihr Tempo und Temperament schaffen es, nicht nur das Büro, sondern auch die bisherige Sekretärin Johanna Krzikowski (Ingrid Stein) zu modernisieren. Und ehe man sich versieht, verliert nicht nur ihr vorübergehender Vorgesetzte Heiner Mohaupt (Jürgen Holdorf) seine Position, sondern angesichts soviel geballter Power auch sein Herz.
Geradezu vorgeführt wird dabei Robert Ohlsen (Folker Bohnet), dessen bisherige Erfolgsmethoden – anmaßen und anbaggern – hoffnungslos versagen und geradewegs ins komfortable berufliche Abstellgleis führen. Dort darf er sich dann von der hübschen Nachfolgesekretärin Yvonne „Wonne“ Schiffer (Tanja Rübcke) bewundern und verwöhnen lassen, die ihr vermeintliches Handicap, blond zu sein, trefflich nützt: „Ein halbes Jahr angestellt, ein Leben lang reich.“ Horst Pillau hat in diesem spritzigen, sympathisch oberflächlichen Stück den Frauen seine Referenz erwiesen, „die es aus vielen Gründen im Beruf schwerer haben als Männer.“ Gleichzeitig hat er mit der zahlenmäßigen Überlegenheit von Frauen auch auf der Bühne dafür gesorgt, dass die „stiefmütterliche Behandlung“ von Schauspielerinnen durchbrochen wird.
Das war amüsant und in zulässiger Schwarz-Weiß-Manier verarbeitet, zumal es am Ende — wohl anders als im richtigen Leben – keine ausgesprochenen Verlierer gab. Wenn dann noch die Inselhalle in Anbetracht eines kommunalpolitischen Themas genauso gut besetzt war wie jetzt das Stadttheater beim Thema „Frau im Beruf“, dann wird sich wohl auch keiner über mangelndes Interesse beklagen.