Spielwitz und Regie begeistern
Wenn Tourneebühnen Klassiker inszenieren, gerät auch die Sorge um den Besuchernachwuchs ins Blickfeld: Überwiegt die Skepsis oder hinterlässt das Ergebnis genügend Eindruck, um bei der Jugend erst die Lust auf unterschiedliche Inszenierungen zu wecken? Die vergangene Woche, als „Romeo und Julia“ und „Der Biberpelz“ gespielt wurden, bot Gelegenheit für beide Reaktionen.
Grundlos gerät ein Stück wie „Der Biberpelz“ nicht in die Liste jener Werke, die es zum Schulstoff gebracht haben. Innerhalb der von harmlosen Leichtgewichten so oft bedrohten Gattung „Komödie“ behauptet es einen respektablen Platz. Regisseur Frank Matthus hat darauf vertraut, dass das Publikum auch ohne aktualisierende Zutaten gerne dabei zusieht, wenn es die Kleinen schaffen, den Großen ungestraft etwas abzunehmen. Wahrscheinlich fand er es unnötig, noch über den Text hinaus deutlich zu machen, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich, der Zweifel an der politischen Klasse und der immer leichtere Zugriff auf persönliche Daten mittlerweile zum gesellschaftlichen Allgemeingut geworden sind. Er wollte aufzeigen, wie prächtig ein 120 Jahre alter Bühnenklassiker auch heute noch zu unterhalten weiß.
Einen großen Anteil daran hatten dabei die stark gezeichneten Typen dieser Komödie, allen voran die resolut auftretende Doris Kunstmann. In ihrer Darstellung wurde die clevere Waschfrau Wolff zu einer bauernschlauen, durchaus rücksichtslosen Person, die das dumme Männervolk der Reihe nach für ihre letztlich ungesühnten Diebstähle einsetzt. Sie trug manchmal vielleicht ein wenig zu dick auf. Doch es passte durchaus zum „Biberpelz“, wenn die Komödie dadurch gelegentlich in die Nähe von deftigem Volkstheater geriet.
Auch Amtsvorsteher von Wehrhahn fand in Marten Sand einen herrlichen Darsteller, der mit einem Arsenal reizvoller Schauspielkunst aufwartete, um seine kriecherische und duckmäuserische Berufsauffassung mit seinem fanatischen Drang, subversive Elemente aufzuspüren, in Einklang zu bringen. Als fantasievoller Komödiant hat er sich in dieser Aufführung in die Herzen vieler Zuschauer gespielt.
Als Besonderheit dieser Aufführung dürfen die Zwischenakt-Auftritte von Ines Lammers und Kristina Sahlin vor dem Vorhang gelten. Ihre Lieder und Gedichte parodierten den fernen Geist jener Zeit – und vor allem seitens der jungen Kristina Sahlin geschah das mit solch feinem und verschmitztem Humor, dass sich diese Umbaupausen schon deswegen lohnten.
Staub behutsam weggewischt
Eine überzeugende, wahrhaft preußische Leistung bot auch Eckhardt Bogda als reicher, aber bestohlener Rentier; und Joachim Szaung – als Gatte an der Seite von Frau Wolff auf intellektueller Sparflamme gehalten – wird in seiner sympathisch-trotteligen Art ebenso gut in Erinnerung bleiben wie die beiden Amtsdiener, die Thomas Müller-Brandes und Dieter Stolz mit Hingabe verkörperten.
Der begeisterte Beifall am Ende galt deshalb einer Inszenierung, die mit Liebe zum Detail in Bühne, Licht und Darstellung zu überzeugen wusste. Statt den Staub aufzuwirbeln, den alte Stücke manchmal ansetzen, hat sie ihn behutsam weggewischt und mit Hilfe ihrer spielwitzigen Darsteller den Blick auf viele hübsche Details freigesetzt.