Sekretärinnen (Franz Wittenbrink) (2003-Blauer Kater)

Die gut gesetzten Höhepunkte lösen große Begeisterung aus

Zumindest das Theater Blauer Kater hat erfolgreich gegen die Veranstaltungsübermacht auf der Insel gekämpft: zur Premiere von „Sekretärinnen“ sind ihm seine Anhänger auch zum aktuellen Spielort, dem Kolpingsaal im Langenweg, gefolgt. Sie sollten es nicht bereuen.

Jeder weiß: es wird viel gesungen in „Sekretärinnen“. Sängerinnen mussten also her, die so einer Aufgabe gewachsen sind, und Theater sollten sie außerdem spielen können. Um es vorweg zu sagen: den musikalischen Teil hatten die acht Spielerinnen anständig hinbekommen; denn sieht man von Claudia Müller und der beeindruckend auftretenden Alena Sautier einmal ab, sind alle anderen Gesangsamateure. Spielerisch aber zogen sie durchweg sämtliche Register ihres Könnens, und die erschienen mit zunehmender Spielzeit unerschöpflich.

Doch wer den Anspruch Elisabeth Gessaus kennt, weiß, dass es nicht allein mit einem möglichst guten Vortrag dieses herrlichen Sammelsuriums bekannter Evergreens getan sein würde, sondern dass es galt, den eigentlichen Grund für die ansteckende Wirkung dieses Erfolgsstückes herauszuarbeiten: das Zusammenspiel dieses leicht chaotischen Frauenhaufens so natürlich zu organisieren, dass der dargestellte Büroalltag nicht zum bloßen Vorwand für die Musikeinlagen verkommt.

Und diese Aufgabe wurde bestens gelöst, denn sie war bei den spielerisch bestens gelaunten Damen des Blauen Katers wahrlich in besten Händen. Klar, Darsteller wie etwa Tina Buntzel oder Erwin Rundel (als einiziger Mann neben dem zuverlässigen Pianisten Michael Neuenteufel) mit ihrem besonderen Talent durften meist auch mit Extra-Applaus rechnen. Doch hat sich die Truppe einmal mehr als homogenes Spielensemble präsentiert, das die zahlreichen Regieeinfälle mit leichter Hand umzusetzen wusste.

Die gut gesetzten Höhepunkte dieser musikalischen Komödie lösten in dieser Inszenierung von Elisabeth Gessau große Begeisterung aus. Etwa dann, wenn Erwin Rundel als umwerfender Macho die Damen schier in Ekstase versetzte und jeder im Saal sich fragte, wann denn nun die Hosen fallen würden; oder wenn die Gesangssolistinnen immer wieder vom erstaunlich zuverlässigen Chor der restlichen Mann- bzw. Frauschaft begleitet wurden wie zum Beispiel in der mitreißenden Fassung von „Respect“, diesem Highlight jeder Aufführung. Verstärkt wurde das Ganze durch eine herrliche Choreographie, die vor dem Schreibmaschinen-strotzenden Bühnenbild so recht zur Wirkung kam.

Großartiges aber passierte im Finale von diesen „Sekretärinnen“ des Blauen Katers: wieder war es Tina Buntzel, die mit ihrer frappierenden Bühnenpräsenz eine dermaßen erotische Büronummer zu „Without You“ hinlegte, dass sie kaum überbietbar scheint. Auch ihr war es zu danken, wenn die ganze Mannschaft am Ende Grönemeyers „Männer“ als Zugabe sang, die gerade durch ihre parodierende Darbietung ziemlich nachdenklich machte. Alles in allem: ein herrlicher Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.