LINDAU – Wohl niemand von denen, die noch vor 14 Tagen an gleicher Stelle den prächtigen Münsterchor mit Haydns „Stimmt an die Saiten“ gehört hatten, werden dabei an Gitarren gedacht haben. Nun aber waren welche da, und das renommierte „Aighetta Quartett“ bot den zahlreichen Zuhörern vielfachen Grund zur Begeisterung.
Eigentlich handelte es sich gar nicht um die angekündigte „Spanish Night“: Der Konzertbeginn war am Spätnachmittag, die Künstler kommen aus Monte Carlo und die aufgeführten Werke stammen von Komponisten aus Italien, Deutschland und Argentinien. Immerhin hat dann Dekan Ortwin Gebauer einen spanischen Mystiker bemüht, um einige Gedanken zum Thema „Nacht“ vorzustellen. Gleichwohl: Es war ein Gitarrenkonzert von allerhöchster Güte. Dieser Eindruck resultiert nicht allein vom Können der vier Musiker, sondern wurde auch vom akustischen Reiz des Kirchenraumes genährt. Der führte selbst die schnellen Sätze, wie sie im Carulli-Quartett oder im Telemann-Konzert Vorkommen, zu schwebender Eleganz und einer geradezu verblüffenden Durchsichtigkeit. Die Großzügigkeit dieses Raumes schien Klanggeheimnisse der Gitarre freizusetzen, wie sie sonst nur zu erahnen sind. Freilich bedarf es hierzu jener perfekten Spielkultur, wie sie den vier Künstlern des Aighetta-Quartettes offenbar zu eigen ist. So entlockten sie den vier Volksliedern und den zwei Sätzen aus „El Amor Brujo“ von Manuel de Falla nicht nur folkloristisches Kolorit und oftmals eine geradezu gespenstische Wirkung, sondern sie zeichneten auch selbst für das Arrangement verantwortlich. Jeder der vier steuerte außerdem eine Eigenkomposition bei, in denen sich der Sinn für rhythmische Überraschungen (Les formes du temps 1), der melodische Erfindungsreichtum (Blue quartett) und die Verbundenheit mit den spanischen Wurzeln (Granizado de limon) aufs Glücklichste verbanden.
Bei der ersten Zugabe-einem kurzen Stück aus der Renaissance – zeigte sich das „Aighetta Quartett“ zunächst auch vokal auf der Höhe, während bei dem Stück von Al di Meola und Paco de Lucia noch einmal seine Vielseitigkeit zum Ausdruck kam.
Mag sein, dass die gehörte Musik demjenigen, zu dessen Ehre Kirchen ja gebaut werden, ein wenig „spanisch“ vorgekommen ist: Diese schöne Abwechslung zur klanglichen Pracht der Orgel wird aber auch „Ihm“ gefallen haben…