Schuberts Klaviermusik zum Geburtstag des Komponisten

LINDAU – Am kommenden Samstag spielt der Münchner Komponist und Pianist Rudi Spring im Lindauer Stadttheater drei große Schubert-Sonaten. Unser Mitarbeiter Winfried J. Hamann hat sich mit dem gebürtigen Lindauer unterhalten.

SZ: Vor wenigen Wochen haben zunächst der Pianist Sokolov und dann das Duo Tabea Zimmermann/Hartmut Höll spannende Sichtweisen auf Beethoven beziehungsweise Schumann ermöglicht, am Samstag hören wir Rudi Springs Auseinandersetzung mit Schubert. Was hat Sie zu diesem ungewöhnlichen Programm – drei Schubert-Sonaten an einem Abend – bewogen?

Spring: Ich wollte einmal nicht die drei letzten Sonaten, sondern die drei, die davor komponiert wurden und als einzige zu Schuberts Lebzeiten veröffentlicht wurden, in einem Konzert spielen. Der Samstag ist Schuberts Geburtstag.

SZ: Was man sonst eher aus der Pop- Szene kennt, findet samstags auch in Lindau statt: Sie veröffentlichen gleichzeitg mit dem Konzert eine Dreier-Box mit den entsprechenden Werken. Wie kam’s dazu?

Spring: Die Idee stammt von dem Lindauer Tonmeister Joachim Schmid; es wurde dann allerdings ein Kompendium von drei Stunden und 20 Minuten, da es fast alle Klavierwerke Schuberts – also auch Fragmente und Ländler – aus dem Zeitraum 1823 bis 1826 einbezieht; das Booklet enthält überdies einen 18-seitigen Essay, den ich zu diesem Thema verfasst habe.

SZ: Sie haben ja bereits mehrere CDs eingespielt, und auch der Rundfunk bringt immer wieder Aufnahmen Ihrer Werke. Welche Bedeutung haben CDs für einen Künstler in einer Zeit, in der die Musikindustrie drastische Umsatzrückgänge beklagt?

Spring: Auf dem Klassik-Sektor gibt es nur eine Hand voll Künstler, für die CD-Verkäufe nenneswerte Einkünfte bringen. Für die meisten anderen bedeuten sie eine Möglichkeit, sie bei Konzerten anzubieten, beziehungsweise sie Veranstaltern zu schicken.

SZ: Sie haben 2003 den Internationalen Bodensee-Kulturpreis in Bregenz bekommen, was auch überregional große Beachtung fand. Hat sich das auch auf Ihre künstlerische Arbeit ausgewirkt?

Spring: Immerhin hat das Lindauer Kulturamt reagiert und mir dieses Konzert angeboten. Ansonsten muss man selbst aktiv werden. Preise erleichtern allenfalls das Entree.

SZ: Sie sind als Komponist, Pianist, Liedpianist und Lehrbeauftragter für Liedgestältung an der Münchner Hochschule für Musik ein viel beschäftigter Mann. Als Kammermusiker haben sie mit Erich Hoebarth, Wolfgang Meyer oder Anja Lechner konzertiert. Deckt sich die Gewichtung dieser Tätigkeiten mit Ihren persönlichen Interessen?

Spring: Durchaus. Bis auf die regelmäßige Unterrichtstätigkeit widme ich mich den genannten Sparten meist in einander folgenden Phasen. Ein Großteil davon findet in der Halböffentlichkeit statt, nicht in einer „Karriere“. Ich bin das Gegenteil eines Tournee-Musikers: Von 15 Konzerten im Jahr haben zwölf ein anderes Programm.

SZ: Neben dem Künstlerleben Rudi Springs gibt es auch das des Familienvaters mit zwei kleinen Söhnen: Wie gut lässt sich das vereinbaren?

Spring: Ich habe eine verständnisvolle Partnerin, die Pianistin ist; da mir meine Kinder sehr viel geben, bin ich natürlich auch froh, konzertbedingt nicht allzuviel unterwegs zu sein.

SZ: Es ist schon eine Weile her, seit Sie zuletzt im Lindauer Stadttheater gespielt haben. Was dürfen die Zuhörer von diesem Konzert erwarten, und was erwarten Sie sich von diesem Abend?

Spring: Ich hoffe, dass sowohl die Zuhörer als auch ich Schubert nahe sein werden.