LINDAU – Zum Ende der diesjährigen Zeughaus-Saison wurde der von den Neu-Verantwortlichen so leidenschaftlich und erfolgreich wach geküsste Verein noch einmal mit einem vollen Haus belohnt. Für Schmusestimmung am Ende sorgte nun die Sängerin Tokunbo Akinro mit ihrer „Tok tok tok“- Combo.
Natürlich passt „Tok tok tok“ gut in solche Zeiten, wo „Chill“ alle Musikgattungen erfasst hat und Norah Jones eine elegante Brücke zwischen das Pop- und Jazzlager gebaut hat und damit einen regen Austausch in Gang gesetzt hat. Dies kann der Musik selbst nur gut tun. Auch der mit veranstaltende Jazzclub hat die Zeichen dieser Zeit offenbar verstanden, wenn er mal auf ein paar Elemente verzichtet hat, die sonst den „Jazz“ ausmachen.
Mit Tokunbo Akinro hat er immerhin eine in vielerlei Hinsicht attraktive Sängerin eingeladen, die mit ihrer jüngsten CD auf Anhieb Platz Eins der Jazzcharts eroberte. Einen wichtigen Anteil hat ihre Band, die mit dem Saxophonisten, Gitarristen und „Mund-Drummer“ Morten Klein, dem Kontrabassisten Frank Fiedler und Ritchie Sta- ringer am echten Fender Rhodes Piano glänzend und einfühlsam besetzt ist.
Zwischen cool und lasziv
Was macht den Reiz dieser scheinbar unspektakulären, so cool daherkommenden Musik aus? In erster Linie ist es natürlich die Klasse dieser deutsch-afrikanischen Sängerin, die mit ihrer warmen und souligen Stimme unbegrenzt agieren kann, mal sexy und lasziv wirkt, ein anderes Mal in die Seelentiefen des Blues haucht. Das alles geschieht selbstverständlich und unangestrengt, was die große Professionalität von „Tok tok tok“ noch verstärkt.
Die Musiker agieren dabei selbstbewusst, verstehen es aber gleichzeitig, sich so weit zurückzuhalten, dass immer klar bleibt, wer „Star des Abends“ ist – lediglich der Saxophonist durchbricht gelegentlich diese heimliche Vorgabe und verhindert ein allzu langes Verharren in der beinahe intimen Stimmung, die den Abend über weite Strecken beherrscht. Am besten gelingt ihm das bei seinem ungewöhnlichen „Schlagzeugsolo“, das er ausschließlich mit Mundgeräuschen erzeugt und das in begeistertem Beifall endet. Doch so sehr dieser musikalische Gag auch ankommt – in manch anderen Stücken konnte diese Methode, ein Schlagzeug zu ersetzen, den Wunsch nach einem „richtigen Drummer“ nicht unterdrücken.
Es war ein „Jazzkonzert der anderen Art“, in dessen entspannter Atmosphäre die meisten Zuhörer genüsslich schwelgen konnten. Für die anderen, denen die Ausdruckspalette dieser Musik vielleicht zu eingeschränkt und unverbindlich erschien, bieten sich weiterhin genügend Möglichkeiten, etwaige Bedürfnisse nach virtuosen und improvisatorischen Höhepunkten erfüllt zu bekommen. Für das Zeughaus jedenfalls wurde dieses Konzert zu einem erfolgreichen Abschluss, der noch einmal das hohe Niveau des eingeschlagenen Weges gezeigt hat.