Volles Haus hatte das „Percussion-Ensemble“ der Musikschule unlängst im Zeughaus, und die Nachfrage nach Schlagzeug-Unterricht ist ungebrochen hoch. Großen Anteil an diesem Interesse hat der Lindauer Musiker Mahdi Milla, der jetzt mit einem Kollegen ein Buch für Schlagzeugunterricht veröffentlicht hat. LZ-Mitarbeiter Winfried Hamann hat mit ihm gesprochen.
LZ: Herr Milla, einen Schlagzeuger definiert man vor allem als wichtigen Teil einer Musikband. Ihr Buch nennt sich aber „Play together“ und meint damit in erster Linie das Zusammenspiel mehrerer „Drummer.“ Worum also ging es Ihnen?
Milla: Eigentlich haben wir aus der Not eine Tugend gemacht: Mehr Schüler zu haben, heißt ja für eine Musikschule nicht gleichzeitig, dass auch die Stundenzahl des entsprechenden Lehrers erhöht werden kann. Also müssen mehr Schüler in Gruppen unterrichtet werden. Für Schlagzeug gab es dafür aber bisher keine Literatur. Unser Konzept beruht gerade darauf, dass man auf Mitspieler angewiesen ist und man praktisch von der ersten Stunde an zusammen spielt.
LZ: Viele Leute sind verblüfft, wenn man ihnen erzählt, dass auch Schlagzeug nach Noten gelernt und gespielt wird. Was antworten Sie denen?
Milla: Die meisten Schlaginstrumente werden von Anfang an nach Noten gespielt; das wurde aber nie richtig wahrgenommen und auch kaum anerkannt. Allerdings hat sich das in den letzten Jahren geändert: Um als Profi bestehen zu können, hat man heute ohne fundierte Notenkenntnisse keine Chance.
LZ: Ist es nicht mühsam, mehrere Schlagzeuger zugleich zu unterrichten, oder sehen Sie auch Vorteile in dieser Art von Unterricht?
Milla: Natürlich ist es schwieriger, wenn man sich nicht auf einen einzelnen Schüler konzentrieren kann und den Unterricht entsprechend seinen Fähigkeiten aufbauen kann. Andererseits ist das exakte Zusammenspiel wiederum nur im Gruppenunterricht optimal zu erzielen. Mein Traum wäre es, eine gesunde Mischung zwischen beiden Unterrichtsformen zu erzielen.
LZ: Glauben Sie, dass die Zahl von Schlagzeugschülern noch größer wäre, wenn es für die leichter wäre, an Räume zu kommen, in denen eine höhere Lautstärke möglich ist? Und bietet die Musikschule für dieses Problem ihre Hilfe an?
Milla: Die Musikschule hat ja selbst nur begrenzte räumliche Möglichkeiten. Wenigstens gibt es heute so genannte Übungssets oder elektronische Schlagzeuge, mit denen ein Üben möglich ist, ohne dass sich andere wegen der Lautstärke gestört fühlen müssen.
LZ: Was raten Sie Schülern, die hauptsächlich darauf aus sind, in möglichst kurzer Zeit in einer Rockband zu spielen?
Milla: Erstens: dass sie Mitspieler aus dem Freundeskreis finden. Zweitens: kümmert euch um einen geeigneten Proberaum, auch wenn das oft schwer ist. Drittens: Fortschritte mit einer Band sind nur möglich, wenn man selbst auf seinem Instrument Fortschritte macht; dann wird man feststellen, dass mit den Fertigkeiten auch der musikalische Anspruch steigt. Und als letztes: regelmäßig proben.