Rhythmische Präzision und gewitzte Einwürfe

LINDAU – Soviel Gesang im Jazzclub war nie, so gute Laune wohl selten: im knallvollen Keller heizten „Die Vier und ein Klavier“ dem Publikum dermaßen ein, dass man darüber die Qualität der Arrangements und die hohe Gesangskunst der Vokalisten beinahe vergessen hätte. Und Claudia Gassners „Egon“ war so hinreißend, dass er berechtigten Anspruch auf Kultstatus hat.

Eingefleischte Jazzfans mochten vielleicht die Nase rümpfen und gar nicht erst gekommen sein. Die Anwesenden allerdings durften wieder einmal miterleben, dass „Die Vier und ein Klavier“ zumindest zwei Königsdisziplinen des Jazz im Übermaß beherrschen: den Swing und mit ihm die Lust, bekannte Nummern und Standards in eigenständige Stücke zu verwandeln. Ihre vitale und bühnensichere Darbietung entfachte dabei zuweilen größere Begeisterung, als es dem Original immer beschieden war.

Stefan Schnell scheint genau zu wissen, welche Stücke sich am besten ins Repertoire seines Vokalensembles fügen; und dort, wo kein geeignetes Arrangement vorliegt, greift er selbst zur Feder und versieht sie mit den eigenen Initialen: rhythmische Präzision, gewitzte Einwürfe und abwechslungsvoller Stimmengebrauch. Da wird „Take Five“ zum flotten Fünftakter, Jo- bims „Triste“ dank Kuno Buchers zusätzlicher Pfeifkunst zum Brasilienausflug und Gilbert O’Sullivans „Clair“ zur harmonischen Stimmenkür. Auch bei den Fremdarrangements wie etwa „Puttin‘ On The Ritz“ oder „Chattanooga Choo Choo“ erweisen sich Elmar und Barbara Sutter sowohl solistisch als auch im Quartett als ebenso stimmsicher und unverwechselbar wie Kuno Bucher und Claudia Gassner-Dittus. Insbesondere die Frauen – die eine beispielsweise bei „Killing Me Softly“, die andere bei „Egon“- entwickelten dabei erstaunliche schauspielerische Fähigkeiten. Zu den Stärken und damit auch zur professionellen Wirkung von „Die Vier und ein Klavier“ gehört dabei zweifellos, wie scheinbar locker und selbstverständlich Gesangs- und Entertainementqualitäten zusammen spielen. Die zeigten sich letztlich auch in einer geschickt aufgebauten Programmdramaturgie, die Stücken wie dem „Teddybär“ oder dem Fisch-Rauswerfer ihren optimalen Platz einräumte.

Dass nach einem solchen Stimmenschmaus und Stimmungshoch noch mehrere Zugaben fällig wurden, war zwangsläufig. Und dass „Egon“ besagtem „Kultstatus“ ein großes Stück näher kam, ebenso.