Rezensentenglück: da macht man sich aus persönlicher Neugierde auf, um wenigstens bis zur Pause einen Eindruck von dem zu bekommen, was die Musikschule als „Szenen aus der Zauberflöte“ angekündigt hat – und ist dann so beeindruckt und überrascht vom Gebotenen, dass man gerne bis zum Schluss bleibt.
Natürlich muss man ein bisschen „wahnsinnig“ sein (Originalton Regina Kuhn), wenn man sich mit Schülern und Kindern ausgerechnet über Mozarts „Zauberflöte“ hermacht, kein Orchester zur Verfügung hat und wohl davon ausgehen darf, dass der engagierten Sängerin und Gesangslehrerin die musikalische Herausforderung bewusst ist. Und nur um den Beteiligten klar zu machen, dass Oper Spaß machen kann, könnte sich das Motto „no risk no fun“ im Falle Mozarts vielleicht doch als etwas verwegen erweisen: Taminos „Bildnis-Arie“ mit einem Amateur, die beiden Arien der Königin der Nacht mit einer Schülerin? Regina Kuhn also doch zu kühn?
Von wegen. Zunächst muss nämlich Ludmilla Anton erwähnt werden, die den zahlreichen Sängerinnen und Sängern ein zuverlässiger und einfühlsamer Partner am Klavier war und Mozarts Orchesterpartitur immerhin pianistisch zum Leuchten brachte. Zudem wurden die charakteristischen Flötenpassagen Svenja Halbing und Nadine Kapfer anvertraut, so dass die Zauberflöte auch mit dem nötigen Flötenzauber (dem im zweiten Teil allerdings kurzfristig seine Zauberkraft schwand) ausgestattet war. Passende und stimmungsvolle Fotoprojektionen (Beate Müller-Schöpf) und ein Bühnenbild (Marie Seeberger), das sich statt auf Märchenkitsch nur auf das Notwendige beschränkte, waren ein weiteres Indiz dafür, dass hier keine Materialschlacht geplant war. Umso liebevoller hat Rita Kränkei Heimpel die zahllosen Kostüme angefertigt (und gespendet!), so dass es im Zusammenspiel mit der Lichtregie gelungen ist, die besondere Atmosphäre und Stimmung der „Zauberflöte“ auch in dieser Hinsicht einzufangen.
„Bezaubernd“ und als entzückende Augenweide präsentierte sich das Kinderballett, das von Genia Hoffmann für die Szenen mit den wilden Tieren und den Papageno-Nachwuchs auf die Bühne geschickt wurde, und auch Sarastros Gefolgschaft wurde vom stattlichen Chor des VHG (Leitung: Sabine Zengier) würdevoll und stimmgewaltig vertreten. Für die vier Auftritte der Damen wurden Laura Mildner, Rebecca Fichtl (die später auch die Papagena sang) und Daniela Halbing ausgewählt und schon hier zeigte sich das hohe Ausbildungsniveau dieser Gesangsklasse: die drei jungen Damen zeigten nicht nur ihre stimmliche und rhythmische Sicherheit, sondern fanden auch den Mut zu darstellerischem Spiel. Gleiches muss auch den „3 Knaben“ (Lara Dyballa, Flora Kimbauer und Leonie Wahner) attestiert werden, die so charmant zum Lebensretter von Pamina und Papageno wurden.
Adelia Justus, deren schöne und bereits ausgeprägte Stimme noch etwas mit Intonationsschwierigkeiten zu kämpfen hat, wog dieses Manko in ihrer Rolle als Pamina durch spielerische Intensität auf. Vom 15jährigen Vincent Heimpel läßt sich natürlich noch nicht die baritonale Kraft erwarten, die man sonst von Papageno kennt – seine Unbekümmertheit in spielerischer und sängerischer Hinsicht brachte ihm aber jede Menge Sympathie. Das erste Aha-Erlebnis stellte sich bei Frank Martin als Tamino ein: seine feste und berückende Tenorstimme, die nur für kurze Augenblicke im zweite Akt an Kraft verlor, dürfte ihm – trotz einer gewissen schauspielerischen Einförmigkeit – wohl eine weitere sängerische Zukunft eröffnen. Geradezu Staunen machte die Darbietung Alexa Brösels als „Königin der Nacht“: absolut treffsicher in den beiden halsbrecherischen Arien, dabei klug in Krafteinteilung und dynamischer Gestaltung. Es gab an diesem Abend mehrfachen Szenenapplaus – am spontansten brandete er bei ihr auf. Regina Kuhn, die salopp, charmant und schlagfertig durch die Oper führte (ohne die manchmal widersprüchliche Handlung wirklich aufhellen zu können), darf stolz auf dieses Wagnis sein. Und sie hat am Beispiel der vielen Mitwirkenden gezeigt, dass es außer gewisser Grundvoraussetzungen auch eines soliden Unterrichtes bedarf, um an Mozart und einer solchen Produktion nicht zu scheitern.