Reizvolles Wiedersehen mit den Comedian Harmonists
Es sind fast auf den Tag genau zwei Jahre her, dass Gottfried Greiffenhagens Stück über die Comedian Harmonists in Lindau gegeben wurde. Auch diesmal war das Stadttheater bis auf den letzten Platz gefüllt.
Seit über vier Jahren hält sich „Veronika, der Lenz ist da“ nun auf deutschen Bühnen. Dem Erfolg nach zu urteilen wird diese Produktion der „Komödie am Kurfürstendamm“ noch eine ganze Weile für volle Säle und Kassen sorgen.
In der Besprechung aus dem Jahr 2000 hieß es an gleicher Stelle: „Was die fünf Sänger samt Pianist musikalisch und in hohem Maße auch schauspielerisch zu bieten hatten, war schlicht umwerfend. Und mehr als einmal wird sich mancher bei der Illusion ertappt haben, einem wirklichen Konzert dieses Meistersextetts beizuwohnen.“
Dem kann im Grunde auch diesmal wieder zugestimmt werden, auch wenn die Besetzung sich gegenüber der damaligen Inszenierung verändert hat.
Bei kritischer Betrachtung allerdings waren jetzt die schauspielerischen Leistungen nicht bei allen so überzeugend und rund wie beim letzten Mal – offenbar hat man sich im Zweifelsfall für die höhere Stimmqualität entschieden.
Charakter und Persönlichkeit von einzelnen Sängern waren schauspielerisch nicht so stringent durchgeformt wie zuvor und die Angst vor stereotypen, gar plakativen Wendungen schien nicht besonders groß gewesen zu sein.
Doch relativieren sich solche Einzelbeobachtungen angesichts eines Stückes, das nach wie vor als großer Wurf zu bezeichnen ist: dramaturgisch geschickt in Szene gesetzt, befindet es sich nach wie vor in selbstverständlicher Balance zwischen seinen Text- und Liedbeiträgen, und beides zusammen ergibt einen Theaterabend von hohem Unterhaltungswert.
Unbestritten bleibt auch, dass es zwar Kompromisse in schauspielerischer Hinsicht verträgt, keinesfalls aber bei der sängerischen Qualität. In dieser Hinsicht hatte das aktuelle Bühnenpersonal alle Trümpfe in der Hand. Diese hat sie am Ende großzügig in Form mehrerer Zugaben verteilt, die vom begeisterten Publikum heftig erklatscht wurden.
Fazit: auch beim zweiten Wiedersehen hat „Veronika, der Lenz ist da“ nichts von seinem Reiz und der Faszination einer großen, aber tragisch verlaufenden Karriere verloren.