Ralf Wolter pendelt zwischen 40 und 80 Jahren
Nach den Bedrückungen der „Mutter Courage“ und „Anne Frank“ hat Ralf Wolter wieder den Humor auf die Bühne des Stadttheaters geholt. Unterhaltsame zweieinhalb Stunden hat er gegen die vermeintlich unerschütterliche Einsicht angekämpft, die da besagt: „Das Geld liegt auf der Bank.“ Ein Bericht über Curth Flatows Komödie.
Vorspiel: 1928, Nachspiel: 1968. Ein wenig leichter ist es geworden, den inzwischen 75-jährigen Ralf Wolter zum 80-Jährigen zu dekorieren als zu dessen 40-jähriger Ausgabe, doch auch die hat überzeugt. Das erste Kompliment geht daher gleichermaßen an die beiden Maskenbildnerinnen der „Komödie im Bayerischen Hof“ und den immer noch so agilen Hauptdarsteller. Mehrere Tage hatte man sich im Lindauer Stadttheater vorbereitet, um die Premiere für das „Vorspiel, das ein Nachspiel hat“ gelingen zu lassen.
Man darf vermuten, dass Direktorin Margit Bönisch und ihr Ensemble mit diesem Auftakt ganz zufrieden sind: Ein paar Nachbesserungen bei der Ausleuchtung, nochmaliges Überdenken von zwei, drei Abgängen sowie ein Abspecken auf vielleicht gute zwei Stunden, und nichts dürfte dem weiteren Erfolg dieser Komödie mehr im Wege stehen.
„Klau1 nie über deine Verhältnisse!“ oder: „Was ahnt man schon von seinen Ahnen?“ – das sind natürlich Sätze, die wie geschaffen sind für einen wie Ralf Wolter. Seine Kunst, mit einer an Heinz Erhardt erinnernden Beiläufigkeit zu spielen, ergänzt mit der ihm eigenen Schrulligkeit und der Erfahrung eines langen Theaterlebens hat die Figur des Kunstschlossers Gustav Kühne zum sympathischen Schlosskünstler gemacht. Zum Einbrecher also, für den gelegentliche Bankeinbrüche als beruflicher Leistungsnachweis dienen und für den die damit verbundene Bereicherung nur von sekundärer Bedeutung ist. Eine Art Robin Hood, dem die Zukunft seiner beiden Söhne wichtig ist, und der nur deshalb vergessen haben könnte, vielleicht noch andere zu beschenken.
Und dann dies: 40 Jahre muss er aufgrund eines vorschnell gegebenen Gelübdes bis* zum finalen Einbruch ausharren und nie hat man einen Alten gesehen, der so sehnsüchtig darauf gewartet hat, noch älter zu werden; endlich 80, und ab jetzt sind Autor und die restlichen Akteure vollauf damit beschäftigt, diesen Alterswunsch von allen Seiten zu vereiteln.
Die Komödie kommt jetzt richtig in Fahrt und sie darf es zu ihren Meriten zählen, dass sich über ihren Ausgang nur schwer spekulieren lässt. Der sei natürlich auch an dieser Stelle nicht verraten. Dass der Weg dorthin aber mit zupackenden Darstellern angesteuert wird, sei ausdrücklich erwähnt. Wolfgang Kühne stellt seine Rolle als Großverleger imposant auf die Bühne, während Norbert Heckner sich kaum zurückhält, um das wacklige Bild des duckmäuserischen Gymnasialdirektors endgültig zu zementieren. Ob als Kriminalkommissar Senior oder Jahre später als dessen Sohn: Hans B. Götzfried verkörpert ihn schlau und gerissen, kommt aber – wie es sich für eine ordentliche Komödie gehört-stets ein wenig zu spät. Tracy Schönbach und auch Melanie Rühmann vermischen ihre schauspielerischen Fähigkeiten geschickt mit ihren komödiantischen und so lässt sich ohne weiteres von einem homogenen Ensemble sprechen.
Ein zwar bekanntes, aber auch hier zweckmäßiges Bühnenbild sowie ein paar hübsche Gags (für Besucher: Babyschnuller, Öffnen der Schmuckkassette) runden schließlich das Bild einer gut gemachten, sympathisch-harmlosen Komödie ab. Ein heiterer Theaterabend, der in Zeiten wie diesen fast entlastend wirkt.